„400 PS Trucker Babe!“ ist am Start! :D – Ich habe den LKW-Führerschein Klasse C bestanden!!

Unglaublich. Immer noch. Und ich glaube, ich habs noch gar nicht so recht realisiert.

An diesem Tag war auf jeden Fall das Universum, das Leben und was es sonst noch so da draußen gibt, auf meiner Seite. Warum, dazu später mehr.

 

Die letzten Fahrstunden

LKW Fahrschule Fahrstunde

Am Montag hatte ich meine letzte Fahrstunde – naja, eigentlich drei. Bis man mit dem LKW mit Strich 80 km/h nach Schweinfurt ins Prüfgebiet tuckert und wieder zurück, ist schon eine Unterrichtstunde rum. Da mein Fahrlehrer Zeit hatte und ich auch, habe ich beschlossen, noch eine Stunde dranzuhängen.

Ich stellte mich besser an als am Donnerstag vorher, aber man merkt halt doch, dass meine ersten beiden Fahrstunden schon zwei und vier Monate her sind. Ein Aushilfsjob über ein paar Wochen in einer anderen Stadt hier, mein Skiunfall da… und die Sache zog sich!

Sollte es nun also mit einer erfolgreichen Prüfung zu Ende sein? Super gerne, denn langsam hats mir auch gereicht, das immer im Hinterkopf zu haben.

Die Stunden am Montag waren also besser als am Donnerstag, trotzdem: Das rechte Hinterrad des LKW erwischte nicht nur einmal den Gehsteig, Stopp-Schilder sind offensichtlich auch meine Stärke und mit dem LKW in einen Kreisverkehr zur Rush-Hour einfahren ist auch der Horror!

 

Das richtige Mindset

Dass ist es trotzdem geschafft habe, am Montag nicht so eine Katastrophen-Fahrt hinzulegen wie am Donnerstag vorher (ein Bus auf der Gegenfahrbahn? Wo? usw. ), lag meiner Meinung nach daran, dass ich an meinem Mindset gearbeitet habe.

Zu schnell verfällt man in der Schülerrolle wieder in altbekannte und kontraproduktive Verhaltens- und Denkmuster:

– Der Fahrlehrer meckert bloß – blöd

– Prüfungen sind blöd

– Hoffentlich wird der Prüfer nicht blöd sein

… ihr kennt das sicherlich!

 

Dann hab ich mich mal darauf zurückbesonnen, warum ich mir „den Scheiß“ überhaupt antue:

– Ich erfülle mir damit einen Traum! Hallo! Einen TRAUM!
ICH.WILL. DAS! Keiner hat mich dazu gezwungen.

– Dieser Führerschein ist ein riesengroßer Schritt. Wohin weiß ich noch nicht so genau, denn wer weiß, was mein Leben noch so mit mir vorhat. Mein „Plan“ jedenfalls lautet aktuell: Irgendwann mit einem Expeditionsmobil durch fremde Kontinente zu fahren. Eine fixe Idee, genauso wie der Kauf meines ersten Wohnmobils. Wenn die Umsetzung dieser Idee nur annähernd so geil wird wie die, das Wohnmobil zu kaufen, hat es sich schon gelohnt!

Fahrschul Gespann Mercedes Actros 2542

Fahrschul Gespann Mercedes Actros 2542

Ich hab mir also genau das vorgestellt. Wie ich mit einem LKW-Wohnmobil offroad die schönsten Strecken dieser Welt befahre. Aber auch, wie glücklich ich sein werde, wenn ich endlich die Prüfung hinter mir habe und diesen Schein in der Hand halte!

 

Diese Mindset-Arbeit habe ich bis kurz vor der Prüfung noch durchgezogen und optimiert.

Außerdem war sie eine gute Möglichkeit, mich vor meiner nervigen Nervosität abzulenken. Die war fast durchgehend seit der Montags-Fahrstunde da. Zum Glück hab ich trotzdem schlafen können wie ein Baby!

 

Der Prüfungstag

In weiser Voraussicht habe ich mir Montag und Dienstag – den Prüfungstag – weitestgehend von Terminen freigehalten. Lediglich Montagabend hatte ich meinen Französischkurs in Schweinfurt. Mit mir war dann auch wirklich nix mehr anzufangen. Ich hab ausgeschlafen, mir ein leckeres Frühstück gemacht und dann wars auch schon an der Zeit, zum Treffpunkt zu fahren, um pünktlich um 12 dort zu sein.

Mercedes Actros Fahrschul LKW

Mercedes Actros Fahrschul LKW

Es wird ernst. Prüfung Teil 1: Abfahrkontrolle

Kurz darauf kam auch schon der Prüfer. Abfahrkontrolle check. Zum Glück hat mein Fahrlehrer ihn darauf hingewiesen, dass ich nicht den alten Fahrtschreiber analysieren muss, da wir dies nie geübt hatten. Schließlich hat der schöne Mercedes Actros ein digitales EG-Gerät. Alles andere hat gut geklappt, guter Start.

 

Praktische LKW-Prüfung Teil 2: Fahren!

Fahrübung Rampe LKW Führerschein

Fahrübung Rampe LKW Führerschein

Nachdem wirs uns alle im Fahrerhaus gemütlich gemacht hatten, konnte es losgehen. Vor lauter Nervosität hatte ich den Automatikhebel noch auf N statt auf D stehen. War zum Glück nicht weiter schlimm. Runter vom Parkplatz durchs Industriegebiet, wo erstmal ne Müllabfuhr mitten im Weg stand. Dran vorbei oder nicht? Aufgrund der widersprüchlichen Aussagen meines Fahrlehrers während der Fahrstunden wollte ich dann doch vorbei, mir wars dann aber doch zu eng. Also hab ich mal schön die volle Fahrbahnbreite blockiert, bis sich das Müllauto wieder in Bewegung setzte.

Ich glaub, mein Riesenglück war, dass in dem Moment kein Fahrzeug entgegengekommen ist, sonst wäre ich wohl durchgefallen. Todsünde: Jemand anderem die Vorfahrt nehmen.*

Also weiter, auf den Mercedeswerkstattparkplatz für die Rampe. Ich wurde auf den durchnummerierten Parkplatz mit der Nummer 35 (!) gelotst. Alles easy, danach rechts rückwärts um die Kurve, läuft.

Glück, Glück, Riesenglück!

Anschließend gings auf die Autobahn, relativ lange, ein bisschen durch die Stadt. Es wurde mal eng mit nem Bus, hat aber zum Glück gereicht. Nochmal “zum Glück”: Kein Bus in einer Bushaltestelle, auch nicht auf der Gegenfahrbahn. Vielleicht hätte ich das wieder übersehen. Und: keine Stoppschilder. Glück, Glück, ganz viel Glück hatte ich!! Als die Streckenführung schon versprach, wieder zurück zum Ausgangspunkt zu fahren, freute sich das innere Kind in mir schon nen Ast. Ich musste mich trotzdem immer wieder selbst daran erinnern, konzentriert zu bleiben, da noch ein paar Kilometer vor mir lagen.

Letzte brenzlige Situation war – wie solls auch anders sein – beim Einfahren in einen Kreisel. Die Autos sind im Vergleich zum LKW einfach viel zu schnell! Hatte aber wieder Glück, der andere ist abgebogen, ich habe ihm nicht die Vorfahrt genommen und gut.

 

Mein Fahrlehrer – super lieb!

Mein Fahrlehrer war auch ein Herz: Er brachte den Prüfer dazu, dass ich nicht in den engen LKW-Stellplätzen zum Ende hin einparken musste, denn ja, auch da kann man Fehler machen und auch diesen hatte ich zuvor natürlich nicht ausgelassen 😀

Außerdem hatte er mir bei der Abfahrkontrolle den Limiter schon voreingestellt.

Limiter und Tempomat – ein Thema für sich

Der Tempomat ist auf 80 km/h voreingestellt, den Limiter (Geschwindigkeitsbegrenzer) muss man nach jedem Einschalten der Zündung erneut einstellen. Mit den beiden hatte ich auch so meine Probleme, die richtige Bedienung aber doch noch gecheckt. Und sogar während der LKW-Prüfung umgestellt. So musste ich nicht darauf achten, die Geschwindigkeit nicht zu überschreiten, sondern konnte mich aufs Fahren konzentrieren. Eine sinnvolle Einrichtung.

 

Führerschein Klasse C LKW Bestanden

Prüfung: Bestanden!

Ich stellte also den „LKW verkehrssicher ab“, sodann reichte mir der Prüfer die Hand und beglückwünschte mich zu meinem bestandenen Führerschein. Er hatte natürlich an der Situation mit dem Müllauto was auszusetzen, klar. Aber sonst: Yay!!

Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich bin. Aktuell (abend) überwiegt einfach noch die Erleichterung, dieses Kapitel abgeschlossen zu haben.

Meinen neuen Führerschein habe ich direkt erhalten, dann haben wir noch ein Foto für die Fahrschule gemacht und ich war entlassen. Mit der finalen Rechnung für die zweite Hälfte der Fahrschule UND meinem neuen Führerschein im Gepäck, aber nicht, ohne meinen Fahrlehrer nochmal geknuddelt zu haben! 😀

 

 

 

 

Der Preis für meinen LKW-Führerschein – Was kostet ein Führerschein Klasse C?

Die beiden Rechnungen von der Fahrschule belaufen sich auf knapp 1400 €:

  • Lernsoftware
  • 13 Fahrten
  • Unterweisung (Abfahrkontrolle)
  • Vorstellung theoretische Prüfung Klasse C
  • Vorstellung praktische Prüfung Klasse C

Hinzu kommen Gebühren für Passbilder (16€), Augenarzt (90€), Hausarzt (15€) und Landratsamt (42,60€) und TÜV-Gebühren für die Prüfung (151,13€).

Macht summa summarum:

1682,68€, also rund 1700€.

 

Heute lass ich es mir gutgehen – und meinem Kastenwagen!

Zur Feier des Tages – weil ich nicht durchgefallen bin und somit keine 300-500€ im Klo versenkt hab – gönnte ich meinem Kastenwagen die erste VOLLE Tankfüllung seit 2000 Kilometern. Somit spuckt mir Spritmonitor auch endlich mal wieder ne Info aus, bei welchem Durchschnittsverbrauch mein Kasten liegt.

Da ich erstmal keine Verpflichtungen und ohnehin gedrosseltes Internet hatte, konnte ich auch getrost den Stellplatz anfahren, den ich eine Woche zuvor aufgrund schlechten Internetempfangs ganz schnell wieder verlassen hatte.

Zeit für mich! Lautete die Devise. Da konnte mir das Internet auch mal pups sein. Allen meinen Lieben hatte ich direkt nach der Prüfung die frohe Botschaft überbracht.

Also Kurs auf den Stellplatz am Main. Kurz vor dem Ziel haute ich die Bremsen rein – und holte mir auf einem Bio-Bauernhof erstmal lecker Spargel, Kartoffeln und frische Erdbeeren!

Am Stellplatz angekommen schnappte ich mir:

Meine Decke, die Erdbeeren, ein Sektchen – und schon war die Sonnenchillung perfekt!

Einfach mal nix tun. An nix denken, nix müssen. Es hat so gut getan! Einfach nichtstun und faul in der Sonne liegen…

Bis mich der Eismann aus meinen Träumen riss! Aber sein Eis machte es direkt wieder gut. Ich gönnte mir ein Spaghettieis, welches ich zwei Wochen zuvor in Nordheim nicht mehr bekommen hatte, weil das Vanilleeis aus war! Er erzählte mir noch, dass die Leute in Nordheim ihm immer genau drei Eissorten leer essen 😀 und düste wieder davon – nach Nordheim! 😉

Genug geschlemmt und gechillt brutzelte ich mir später im Wohnmobil noch den grünen Spargel in der Pfanne. Das erinnert mich immer an die Abenteuer Allrad 2018, wo ich ca. ein Jahr zuvor die beiden von Travel into the Blue kennengelernt hatte, bei denen ich zum ersten Mal grünen Spargel probiert hatte.

Als ich die Zeilen schreibe, frage ich mich, ob meinen Flammlachs-Leckermäulern ihre erste Flammlachs Erfahrung ebenso in Erinnerung geblieben ist? 😉

Ach, und später hatte ich noch Bock auf Kaiserschmarrn, der mir im wahrsten Sinne des Wortes den Sonnenuntergang versüßte!

 

 

*Noch ein paar Gedanken

In Deutschland eine Führerscheinprüfung machen, nach 1,5 Jahren Türkei

Boah Leute, es gibt nix heftigeres!

Eineinhalb Jahre Türkei. Erst mit einem schicken Opel Astra, dann mit Wohnmobil und Roller.

Eineinhalb Jahre

– rechts überholen ist normal

– erhöhte Aufmerksamkeit jederzeit, weil jeder so fährt, wie er mag

– selbst so fahren, wie man mag

– Verkehrsregeln, -schilder und rote Ampeln als nett gemeinten „Hinweis“ ansehen

…Hauptsache man kommt möglichst zügig voran!

Und dann willst du in Deutschland Führerschein machen und dir wird erzählt, dass das schlimmste, was passieren kann, ist, dass du jemandem die Vorfahrt nimmst?! Das war ein sehr verspäteter Kulturschock, aber das war einer!

 

Todsünde Vorfahrt nehmen

Ja, Deutschland, ja, Regeln, ja, wenn das jeder so täte, ja, bla bla. Mir passiert es immer wieder, gerade mit meinem Alkoven, seltener mit dem Kasten, dass man sich in Situationen (naja eher enge Straßen und Gassen) manövriert, in denen man nicht mehr weiter kommt. Natürlich nimmt man in dem Moment allen anderen jegliche Vorfahrt, haha, die ganze Straße ist schließlich blockiert. Trotzdem finde ich persönlich, dass das das geringste Übel ist:

Wichtig ist doch erstmal, dass es allen gut geht (niemand verletzt ist). Dann ist wichtig, dass auch keine anderen Fahrzeuge Schaden nehmen. Das bisschen Verkehrshindernis, das letztlich nichts anderes ist als eine kleine Verzögerung, kann man ja wohl in Kauf nehmen.

Das jedenfalls habe ich auf meinen 40.000 Kilometern mit dem Wohnmobil gelernt.

 

(!) Noch was Positives zum Schluss

Das Universum war heute auf meiner Seite.

Es hat mir Zeichen geschickt:

Kurz bevor die Prüfung losging, schaue ich auf die Uhr: 12:03 – mein Geburtstag. Allein darüber hab ich mich riesig gefreut.

Das nächste Mal musste ich schmunzeln, als ich die Rampenübung vom Parkplatz mit der Nummer 35 aus starten sollte. Die 35 schmückt auch mein Nummernschild. Denn:

Jedes Auto mit Zulassung in Izmir hat als Kennzahl der Stadt die 35 auf dem Nummernschild.

Zufälle? Wenn du dran glauben magst.

Zeichen <3

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