Umbau auf Trockentrenntoilette im Kastenwagen – Teil 2: Überblick über Fertiglösungen und Selbstbau meiner Eigenbau-Trenntoilette

Machen wirs spannend – 3 Teile gibts! Crazy! Aber 9 Seiten reiner Text auf Word ist schon ordentlich was. Daher gibts meine Trenntoiletten-Geschichte in 3 “Häppchen”. Hier lest ihr gerade Teil 2.
Zu Teil 1 (Funktionsweise und Entscheidung) gehts hier lang (hier klicken).
Direkt zu 3 Teil (Zahlen, Maße und Funktionstest) kommt ihr hier.
Viel Spaß: 🙂

 

Trenntoilette war also klar. Nächste Entscheidung: Selbstbau oder Fertigteil?

 

Alternativen: Fertige Trockentrenntoiletten

Die Trenntoilette von Nature’s Head*
999€ Flüssigbehälter fasst gut 8 Liter. Mit Kurbel an der Seite. Braucht Platz zur Entnahme der Feststoffe (?).

Separett Trockentrenntoilette*
799€ mit eingebautem Entlüftungssystem

Weitere Alternativen (Beispiele):

Cinderella Verbrennungstoilette
4145€ funktioniert ohne Wasser, braucht Gas zum Verbrennen

Cactus Trockentoilette*
225€ keine TRENN-Toilette. Funktioniert mit Granulat.

Yachticon Eimer-Toilette
39,90€ ebenfalls ohne Trennung

 

Warum ich mich gegen eine Fertiglösung entschieden habe?

  1. Der Preis

Wie oben beschrieben, kosten die meisten Fertiglösungen ordentlich Kohle. Auf der Abenteuer Allrad 2018 hatte ich mir das Topmodell für fast vierstellig angesehen und fand nicht, dass es sich derart wertig anfühlt.

  1. Der Platz

Alle (?) fertigen TTT sind viel zu groß für meinen Kastenwagen. Und wenn dann außen noch eine Kurbel dran ist, die nach Einbau natürlich funktionsfähig gehalten werden soll, dann ist das einfach zu viel für das Platzangebot in meinem 6 Meter langen Kastenwagen.

  1. Die Behälter

Bei so mancher Fertiglösung ist der Pipibehälter reichlich klein geraten. Man findet schnell heraus, dass ein Mensch pro Tag im Schnitt 2 Liter Urin ausscheidet. Dementsprechend sollte der Urinbehälter dimensioniert sein. Klar, man kann es quasi jederzeit und überall entsorgen, dennoch kommt es ja vor, dass man mal einige Tage an einem Ort steht und dann möchte ich nicht den Pipikanister mit auf einen Spaziergang nehmen und auch nicht in der Nähe meines Stehplatzes entsorgen.

 

Der kleinste Trenntoiletteneinsatz auf dem Markt

Da ich in meinem Bad im Kastenwagen relativ wenig Platz habe, habe ich mich auf die Suche nach einem relativ kleinen Trenneinsatz gemacht. Ostern bestellt, aus England geliefert, war er wenige Wochen später da. Es gibt ihn übrigens in verschiedenen Farben. Maße und weitere Infos: siehe Bilder.

Der Einbau – Schritt 1: Raus mit der alten Toilette!

Ob alleine oder mit Hilfe, sicher war, dass ich dieses Projekt angehe. Ich  schaff schon auch vieles alleine, nur bin ich oft sehr langsam, was unter anderem daran liegt, dass es mir manchmal schwer fällt, Entscheidungen zu treffen. Zumindest wenn es um nachhaltige Veränderungen am Van geht.

Mein Bruder hatte leider keine Zeit. Aber: Jemand anderes bot mir seine Hilfe an.

David (IG: @phoenix_on_the_road). Ich hatte ihn beim DZF19 zum ersten Mal gesehen. Dort war er immer im Schwedenwald und am Dachzeltfloß zugange, und er hatte immer, wirklich immer, irgendein Werkzeug in der Hand.

Seitdem hatten wir ein bisschen geschrieben – er war gerade dabei, sich einen Van zu kaufen und selbst auszubauen.

David kam also zu mir und wir fingen direkt früh zu werkeln an. Die alte Toilette auszubauen gestaltete sich leichter als gedacht. Wenn man weiß, was man zuerst entfernen muss, wo man hinschauen und welche Schrauben man rausdrehen muss, geht das echt schnell.

Nachdem das Stinkeklo draußen war, dremelte ich noch den Rand der Duschwanne und das verbundene Plastik ab und David nahm Maß. Echt faszinierend, wie ein Mensch nicht nur 10 verschiedene Maße auf einmal im Kopf haben kann, sondern direkt im Kopf schon alles konzipiert, konstruiert und sich die einzelnen Arbeitsschritte überlegt. Das ist echt ne große Stärke und ne Fähigkeit, die nicht jeder hat. Ich weiß zumindest für mich, dass das bei mir laaaange nicht so schnell und effektiv und ohne Stift und Zettel funktioniert.

Der Einbau – Einkauf: Baumarkt!

Baumarkt TTT Einkauf

Mit den Maßen und einer Einkaufsliste ging es direkt zum Baumarkt. Gar nicht so leicht, ALLE Komponenten zu finden für solche einen Selbstbau. Der Einsatz war bereits vorhanden, das wars aber auch schon.

Zuerst ließen wir das Holz zuschneiden – gut, dass der Verkäufer uns auf die Maßerung aufmerksam machte. Optisch solls ja auch passen.

Dann noch Scharniere eingepackt (auch die mussten optisch passen) und mithilfe einer Verkäuferin eine Möglichkeit gefunden, den Schlauch, der die Toilettenspülung mit Wasser versorgte, blind zu machen. Fürs Innenleben fanden wir einen Campingkanister, für den Urin, und zwei verschieden große Eimer, von denen wir uns nicht sicher waren, welcher letztlich passen würde. Glücklicherweise kann man ungenutzte Dinge wieder zurückgeben. Schwierigkeiten machte uns dann noch der Übergang der Trenntoilette vorne (für den Urin) in den Kanister. Leider fehlten uns, als wir im Baumarkt waren, folgende Informationen:

  • Wie viel Platz liegt zwischen Kanister und der Öffnung der TTT?
  • Was nimmt man am besten als Verbindungsstück?
  • Passt dieses Stück auch auf die TTT?

Die Verkäuferin war sehr hilfsbereit und nachdem wir auch nochmal in verschiedenen Abteilungen gesucht hatten, hatten wir ein paar Teile zusammen, von denen wir dachten, dass sie passen könnten. Eis musste auch noch sein, denn David brauchte die Stiele…

Nach geschlagenen ZWEI STUNDEN im Baumarkt, ohne Tageslicht und mit Sauerstoffmangel, hatten wir hoffentlich alles beisammen und machten uns auf den Rückweg zur Baustelle.

 

Der Einbau: Von Unterkonstruktionen und Hobbywerkstätten

Da ging es dann erst richtig los. Mein Vater war an der Hombase und warf ab und an mal einen Blick auf das Projekt… Nach und nach wanderten neben der Stichsäge auch Bandschleifer und Tischkreissäge in den Hof, um alle Teile schön bearbeiten zu können.

Ein Hoch auf die gut ausgestattete Werkstatt meiner Homebase!

Wichtig war, dass das Gewicht der Person auf dem Klo nicht auf dem Rand der Duschwanne lastet. Die wurde ohnehin mal neu gemacht bzw. neu ausgekleidet und oftmals sind diese Duschwannen recht anfällig für Risse. Also überlegte sich David eine Unterkonstruktion. Vier Eckpfosten (oder Fast-Eckpfosten) bildeten diese. Diese wurden so angeordnet, dass der abnehmbare Deckel inkl. Einsatz zur Hälfte darauf aufliegt.

Ich sägte Pfosten und Bretter zu und David setzte alles Stück für Stück zusammen.

Zum Schluss ging es an Feinheiten, die relativ viel Zeit in Anspruch nahmen, sich aber lohnen. Eine Aussparung im Deckel, das Anbringen vom Acryl (hierfür brauchte David auch die Eisstäbchen)…

 

Mussten wir nochmal zum Baumarkt oder passten alle Teile, die wir gekauft hatten?

Letzteres. Zumindest für die grundlegend funktionsfähige TTT. Unfassbar, wie gut alle Teile zueinander passten. Gut, für den Feststoffbehälter (Eimer), mussten die Pfosten noch etwas beiseite rücken, aber ansonsten passte alles perfekt.
Ich hatte also am Abend tatsächlich eine funktionierende Trockentrenntoilette in meinem Van! Unglaublich.

Den Toilettendeckel (übrig von einem Chemietoiletten-Fresh-up-Set) habe ich ein paar Tage später darauf montiert. Passt perfekt!

 

Der Umbau in Bildern:

 

Funktionsfähig – aber komplett fertig?

Was noch zu tun war: Die Fuge des Einsatzes von oben mit Acryl ausspritzen und einen Klodeckel anbringen. Bzgl. Der Halterungen für den Deckel wäre ich wieder ratlos gewesen. Aber auch da  wusste David wieder ganz genau, wo ich schauen muss, um genau die Teile zu bekommen, die ich brauche. Manchmal frag ich mich ja schon, ob Männer (er?) alle mal in nem Baumarkt gearbeitet haben – wie sonst schafft man es, das Sortiment so gut zu kennen? Hmmm… da fällt mir ein: Er hat ein Haus (aus)gebaut. Vermutlich bringt es das so mit sich…

Es wurde übrigens nicht der Klodeckel von Hornbach, der (unter den normalen Klodeckeln) der mit der geringsten Tiefe ist. Denn selbst der war, so wie wir den Kasten nun gebaut haben, zu groß. Von einem Chemietoiletten-Fresh-up-Set war noch der Klodeckel inkl. Klobrille einer gängigen Wohnmobiltoilette übrig. Dieser Deckel ist viel kleiner als normale Haushaltsdeckel und passt perfekt auf meine Trockentrenntoilette.

 

DANKE, David!

Am Abend haben wir uns ne Pizza mit Aussicht gegönnt, auf die wir uns schon den ganzen Tag gefreut haben! Echt schön, dann auch mal gemeinsam zu chillen und zu reden… Wie auch sonst bei Vanlife-Treffen kommen am Abend die inspirierendsten Gespräche zustande.

Und ich war außerdem super glücklich, dass alles so schnell und reibungslos geklappt hat!

Ich hatte anfangs echt Bedenken, ob es eine gute Idee ist, mit jemandem den ich kaum kannte, so ein Projekt anzugehen. Ich weiß nicht, wie er arbeitet und umgekehrt. Außerdem weiß ich ja, dass ich manchmal ein bisschen langsamer bin und war mir unsicher, ob das nicht ein Problem für ihn ist.

Aber: Alles easy! Ja, er musste mal auf mich warten, bis ich den Zuschnitt perfekt hatte, aber was solls.

Bislang hatte ich ja immer mit meinem Bruder und / oder Vater gemeinsam gewerkelt. Und dann zu sehen, wie jemand anderes an Dinge herangeht, Dinge durchdenkt und betrachtet, war schon eine sehr interessante Erfahrung für mich.

Und wie in Teil 1 erwähnt: Dass ich über diesem Projekt nicht alleine Tage zubrachte, gab mir so viel mehr Zeit und die Möglichkeit, viel früher in die Türkei aufzubrechen.
Dafür auch hier nochmal ein DICKES FETTES DANKE an den lieben David!

 

Hast du auch schon auf Trenntoilette umgerüstet? Wie (einfach/ schwer) war der Umbau? Warum hast du dich für deine Lösung entschieden? Lass gerne einen Kommentar da!

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.