Meine Reise in die Türkei alleine mit dem Wohnmobil [My solo trip to Turkey] // Zweiter Abschnitt: Von Ungarn aus zwei Grenzübertritte an einem Tag – Serbien – Bulgarien

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Erstmal ein ordentliches Frühstück – Quality time #DZNCUP

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Mein “Übernachtungsplatz” auf dem Rastplatz vor der ungarisch-serbischen Grenze

Die ungarisch-serbische Grenze oder: Das ist wahre Ungeduld

Keine 300 Meter vom Rastplatz entfernt war also am nächsten Morgen auch schon das Stauende. Tja. Nix gewonnen.

In diesem Stau lernte ich, was echte Ungeduld ist. Statt dass jeder auf seiner Fahrspur entspannt immer dann ein Stückchen weiterrollt, wenn es sich lohnt, muss man wirklich bei jedem noch so kleinen Stück aufschließen, um zu vermeiden, dass einem jemand von der benachbarten Fahrspur reingrätscht, nur um ne halbe Fahrzeuglänge „Vorteil“ zu haben. Die arme Kupplung. Stop and Go, immer eine Autolänge lang und das über gerade mal zwei Kilometer! Und meine armen Nerven! Ich war zwar nicht so genervt und gestresst wie viele andere Autofahrer (und diese Schwingungen kamen an, oh ja), aber entspannt war das auch nicht wirklich.

Soooo heiß war es!

Um in dieser Zeit nicht völlig zu zerlaufen hatte ich durchgängig Motor und Klima laufen. Motor schon alleine aus dem Grund, da man bei dem ständigen Weiterfahren-Müssen gar keine andere Wahl hatte und ich außerdem nicht schon wieder ein Wohnmobil über eine Grenze schieben wollte. Und ohne Klima hätte mir wohl ähnlich der Kopf geraucht wie den anderen. Denn obwohl es noch früh am Morgen war, war es schon ordentlich heiß bzw. schwül. Dies machte sich dadurch bemerkbar, dass mein Seitenfenster beschlagen ist – von außen!!

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Von außen beschlagene Fensterscheibe

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Gut vorbereitet

An der Grenze die Frage, ob ich alleine bin, ein Blick in den Kasten und weiter geht’s. Nach insgesamt drei Stunden!

Nach der Grenze hielt ich kurz an und zog mir wieder was bequemes und beschwitzbares an. Seit dem Zwischenfall im Sommer 2017, als mir an der griechisch-albanischen Grenze der halbe Alkoven auseinandergeschraubt wurde, halte ich mich da an ein paar „Vorsichtsmaßnahmen“. Ordentlich angezogen sein gehört da dazu.

So konnte es also weiter gehen. Auch in Serbien gibt es eine Autobahnmaut. Irgendwo zieht man ein Ticket und wenn man wieder rausfährt, muss man zahlen.

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Hallo auch

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Lieblingsschild^^

Serbien – Autobahnen

Die serbischen Autobahnen sind allerdings in keinem guten Zustand. Mit einem „normalen“ Auto mag das weniger auffallen, aber mit einem Wohnmobil machen sich Querrillen und Schlaglöcher doch nochmal ganz anders bemerkbar. So war es relativ anstrengend, zu fahren, da ich meist nicht in den LKW-Rinnen, die ordentlich kaputt waren, fahren wollte, sondern zwischen den Spuren – wenn es ging auch auf der Überholspur, immer die Spiegel im Blick.

Gut war, dass relativ wenig los war. Es kam nie zu einem Stau. Ist aber auch nicht verwunderlich, wenn die Fahrzeuge in der Grenze mit einer solchen Quote ausgespuckt werden.

Ein wunderschönes Stück Straße ohne Autobahn – die Schlucht bei Niš

Den bislang schönsten Streckenabschnitt auf dieser Reise befuhr ich tatsächlich in Serbien. Bei Nis ist die Autobahn noch nicht fertiggestellt und so fuhr ich ein ganzes Stück auf einer recht engen Landstraße in einer Art Canyon. Wunder-schön!! Und leider viel zu schnell wieder vorbei. Ganz entspannt konnte ich dies leider auch nicht genießen, da mein Tank zuneige ging. Was nicht daran lag, dass es kaum Tankstellen gibt, nein, diese gibt es auf der Autobahn gefühlt alle 5 Kilometer! Serbien war relativ teuer was den Sprit betrifft, aber ich schaffte es mit meinem in Ungarn vollgefüllten Tank nicht bis über die Grenze. Kurz vor dieser fuhr ich also eine Tankstelle an, wo ich 10 Liter tanken ließ (jetzt befinde ich mich wieder in den Ländern, in denen für einen getankt wird). Wurde dort noch von einem Türken angesprochen, der mein Kennzeichen kannte, weil er in Würzburg arbeitet – so klein ist die Welt! 😀

Er erzählte, dass er mit seiner Familie schon einen Tag unterwegs sei und sie einmal im Hotel übernachtet hätten. Das fand ich sehr vernünftig, bei der Strecke. Soll ja auch Leute geben, die die Strecke am Stück abreißen, aber die können sich wohl mit dem Fahren abwechseln.

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Den guten Tesla hier musste ich leider für die letzte Mautstation abgeben

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Ab nach Bulgarien

Die serbisch-bulgarische Grenze

Kurz darauf – es wurde schon bald dunkel – sah ich ihn: den nächsten Grenzstau. Ich war nun den ganzen Tag gefahren und hatte vorher auch nur 3h geschlafen (wenn man von der halben Stunde in der prallen Sonne auf einem Rastplatz mal absieht – es ging nichts mehr. Wenn die Klima vorher ordentlich lief, lässt es sich tatsächlich für einen kurzen Powernap aushalten…). Eigentlich hatte ich genug von Grenzen für diesen Tag, und als sich auch noch ein Pulk von mit Billig-Sidolin und Scheibenputzern ausgestatteter Menschen freudig und gleichzeitig auf mich zubewegte, als ich mich dem Stauende näherte, war die Entscheidung klar, erstmal zielstrebig die dortige Abfahrt auf einen kleinen Rastplatz zu nehmen. Puh. Schon wieder auf einem Rastplatz übernachten? Irgendwie gefiel dieser mir nicht so gut wie der letzte. Dann sah ich, dass ein Auto eine etwas weiter gelegen Ausfahrt nimmt. In Maps sah ich, dass man über diesen Weg zum Rastplatz auf der anderen Seite und sogar von der Autobahn runter kommen würde. Schnell noch ein paar Spots, wo man evtl. freistehen könnte, ausgeguggt und los.

War aber leider nichts. Die LKW hatten die rechte Spur bis auf den kleinsten Zentimeter zugeparkt, da war kein Durchkommen. Also blieb mir nur eines übrig: der Grenzübergang! Na gut, es ging immerhin langsam voran und ich war noch guter Hoffnung, dass dieser nicht auch drei Stunden dauern würde.

Lustig.
Nicht.

Selbes Gedrängel, zwischen den Grenzen ging eine Zeit lang nichts mehr vorwärts und als einer das Hupen anfing, stimmten alle mit ein. Was für ein Hupkonzert.

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Stau an der Grenze – gewohntes Bild für mich an diesem Tag

Auto Scanner

Kennt ihr diese Stationen an den Grenzen?

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Auto Scanner an den Grenzen

Soweit ich weiß, wird damit das Fahrzeug einmal durchleuchtet (so zumindest meine Theorie, hab bei Google nix finden können, da ich keinen Schimmer hab, wie diese Vorrichtung heißt. Vielleicht weiß jemand von euch mehr?). Nicht umsonst stehen da so riesige Kästen, ein „Absolutes Halteverbot“ und „max. 8km/h“ Schild. Als ich direkt davor war, konnte mir schonmal keiner mehr in meine Spur fahren. Natürlich wollte ich da in einem Rutsch durch und nicht 5 Minuten lang dauergescannt werden! Das machte die Autofahrer hinter mir schon wieder seeeehr nervös! 10 Meter Platz, da muss man doch aufschließen, schnell schnell! Haha. Da wird schonmal gehupt, ausgestiegen und verständnislos geschaut, was denn da los ist. Nachdem ich in einem Rutsch da durch gefahren bin, ließen sie sich wohl auch, wie alle in den benachbarten Fahrspuren, dauerbestrahlen.

Immerhin waren an der Grenze nach Bulgarien rein alle Posten offen. Trotzdem ging es langsam voran. Bzw. ich war mal wieder auf einer langsamen Spur. Der Platz für 2 Spuren zwischen den Grenzposten war so schmal, dass ich nach der Kontrolle erst noch warten musste, bis das Auto neben mir fertig war, da nicht genug Platz war, um weiterzufahren. Viel Weiterfahren war aber nicht drin, denn auch Bulgarien hat eine hübsche Vignette für uns Autofahrer.

Vignette

Wirklich, ich war nach diesen 3 Stunden absolut sowas von durch. Einfach nur endlos übermüdet. Aber es blieb mir nix anderes übrig, als noch etwas durchzuhalten. Ebenso mein Kasten: Seit geraumer Zeit leuchtete bereits mein Tanklämpchen schon wieder und regelmäßig sagte mir mein Fahrzeug „Achtung! Wenig Tankinhalt!“.

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Reichweite Null, Tanklicht leuchtet – genau das, was man im Grenzstau nicht sehen will

Aber erstmal der nächste Halt, um sich die nächste Vignette zu holen. Wieder war ich in der Loser-Schlange. Da sprach er mich an: Der Türke von der Tankstelle! Ich freute mich, ein „bekanntes“ Gesicht zu sehen, stellte mich zu ihm in die Reihe und wir unterhielten uns kurz. Es war das erste Mal, dass er mit seiner Familie den Landweg in die Türkei nahm, da er den Firmenwagen nehmen durfte. Und wohl auch das letzte Mal, denn er hatte auch genug. Endlich an der Reihe, ploppte der tatsächlich freundlichen und gut gelaunten Vignettenverkäuferin ein weiteres rundes Klebeding, das sie aus der Vignette herausstanzte, ins Haar und zum Glück hatte ich die 8€ passend, denn angeblich war kein Wechselgeld da. Diese Vignette muss man übrigens in der Windschutzscheibe rechts unten anbringen. Ganz weit weg von der Österreichischen! Damit die Umweltplatte da nicht so alleine rumklebt.

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Vignettenkauf für Bulgarien

Tankstellen-Fail

Nächste Station: Tankstelle: Ich machs kurz: Die erste in Sicht war zu, die zweite nahm keine Karten (und auf einen ominösen, unbekannten Wechselkurs wollte ich mich nicht einlassen) und die dritte machte 30 Minuten Pause, kurz bevor ich an der Reihe war!

Nun musste ich auch kein schlechtes Gewissen mehr haben, als ich mich dort einfach an den Rand stellte und schlief. Das hatte mir der nette Türke noch geraten, mit den Worten, Bulgarien sei Mafia-Land und ich solle nicht zu weit ins Landesinnere, sondern an der Grenze nächtigen, wo die Polizei nicht weit war. Hat das Leben mal wieder passend gemacht.

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