Drei Zinnen Umrundung und Paternkofel-Klettersteig mit Rebecca [Juli 2019]

Die Abmachung, gemeinsam die Drei Zinnen zu umrunden – klappts, klappts nicht?

Kennst du auch diese Leute, die erst sagen: “Ja, lass uns dies und das gemeinsam unternehmen!” – und die nachher nichts mehr davon wissen, keine Zeit haben (*hust* Prioritäten) oder eine andere Ausrede finden?

Rebecca gehört da nicht dazu.

Und ich auch nicht.

Genau deswegen kam es, dass wir im Juli tatsächlich gemeinsam eine Tour zu den Drei Zinnen unternahmen. Obwohl der ursprüngliche – schon Monate vorher festgehaltene – Termin nicht klappte, schafften wir es beide, kurzfristig ein anderes Zeitfenster zu finden, das übereinstimmte. Nach der Sommerretreatwoche bei Stefan Hiene in Arco brach ich also zeitig auf um mit meinem Kastenwagen in die Dolomiten zu fahren.

 

Übernachtungsplatz in den Dolomiten, nahe den Drei Zinnen

Noch on the road sprachen wir uns bezüglich Übernachtungsplatz und Ankunftszeitpunkt ab. Rebecca kannte sich bereits etwas aus und schlug mit zwei, drei Plätze vor. Eigentlich wollte ich nicht zu sehr “in die Pampa”, d.h. abseits der Hauptverkehrsroute im “Pustertal” nächtigen, weil ich keine Lust hatte auf Rumgegurke, aber mit jedem Hohenmeter eröffnete sich ein noch atemberaubenderes Panorama! So entschied ich mich für den zweiten Platz, auf dem schon ein französischer VW-Bus stand und stellte mich in die – noch freie – erste Reihe am Weidezaun! Unendlich schön, dieser Ausblick bei Sonnenuntergang… die steilaufragenden Berge ringsum in der Ferne, das Tal, aus dem kurz nach Sonnenuntergang der Nebel aufstieg… ein Traum!

Kurz nachdem ich da und mit meiner kleinen Fotosession fertig war, kam auch schon Rebecca. Bei einem abendlichen Snack besprachen wir, wann wir am nächsten Morgen aufbrechen wollen, ob wir hier oder an den Zinnen frühstücken, mit welchem Auto wir fahren und was mitzunehmen war.

Letztlich war diese Organisation – und Rebeccas Vorerfahrung – Gold wert:

Die Fahrt zu den Drei Zinnen

Überfrüh- um 6 !! – klingelte der Wecker. Rebecca wollte von mir geweckt werden, also wurde sie in Dachzeltnomadenmanier sanft aus dem Schlaf geholt… 😉

Ich packte meine Sachen zusammen, sie ebenso. Nachdem wir meinen Kastenwagen auf einem offiziellen Wanderparkplatz sicher geparkt hatten, stieg ich mit Sack und Pack zu ihr ins Dachzeltauto. Später war ich froh, um ihre Tipps, z.B. eine Käppi mitzunehmen und genügend warme Kleidung.

40 Kilometer, ca. eine Stunde Fahrzeit lagen nun, am frühen Morgen vor uns. Die Landschaft war wunderwunderschön und ich bekam ein paar Einblicke ins Leben einer echten Dachzeltnomadin 😉

Kurz vor dem Ziel reihten wir uns auch schon in eine nicht enden wollende Blechkarawane ein. Zunächst war die “Mautstelle” zu passieren, an der quasi Eintritt dafür verlangt wird, dass man mit dem Auto bis ganz nah an die drei Zinnen fahren darf. 30€ für PKW, 45€ für Camper.

Man darf gegen eine Gebühr von zusätzlichen 25€ übrigens auch oben übernachten, was viele Wohnmobilisten und sicher auch der eine oder andere Dachzeltnomade gern in Anspruch nimmt.

Direkt danach ging es in Serpentinen langsam bergauf. Oben angekommen hatte ich schon Bedenken, ob wir überhaupt noch einen Parkplatz bekommen würden, als Rebecca ihren türkisen Flitzer in eine letzte kleine Parkbucht lenkte.

Angekommen. Frühstück!!!

 

Frühstück auf 2320 Meter Höhe und los gehts!

Rebecca kredenzte uns ein super leckeres Frühstück, unter anderem lernte ich genau dort Avocadobrot lieben!! Nebenbei köchelten kleine Kartoffeln auf dem Gaskocher, die später mitsamt Bergkäse und kleinen Tomatchen als Verpflegung im Rucksack landeten. Später stellte ich fest, dass es kaum einen besseren Wegproviant beim Wandern gibt, also genau diese Kombination!

Fertig an- und umgezogen fanden wir es praktisch, direkt neben der Toilette geparkt zu haben und machten uns um 10:30 Uhr – eigentlich relativ spät, aber das sollte sich später als bestens antizyklisch herausstellen – auf den Weg.

Inmitten unendlich vieler anderer Touristen liefen wir auf der “Bergautobahn” entlang, links das große Felsmassiv, bei dem noch nichts dreitieiliges zu erkennen war. Rebecca erzählte von der Wintertour, die sie hier im März 2019 gemacht hatte und bei der außer ihr und ihrer Schneeschuhwandergruppe sonst kein Mensch weit und breit gewesen ist.

 

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Nach kurzem Marsch waren wir bereits am ersten, an DEM Fotopunkt schlechthin angekommen. Wir ließen uns Zeit, beobachteten, wie immer mal wieder Menschenmengen busladungsweise hierher kamen, schnell ein paar Fotos knipsten und weitergingen. Wir machten auch Fotos… viiieeele Fotos! 😀 Ließen und dabei aber auch Zeit und machten unsere erste kleine Vesperpause. Das hatten wir uns verdient. Die Luft hier oben war relativ dünn. Und obwohl ich nach meinen zwei Kletterstiegen in der Schweiz und in Arco fitter war als sonst, merkte ich, wie ich echt schnell aus der Puste war.

 

Klettersteig auf den Paternkofel

Noch ein paar ordentliche Höhenmeter waren zu bezwingen, ehe wir am Eingang des Klettersteigs standen und unsere Ausrüstung anzogen: Klettergurt, Helm, Stirnlampe (für die dunklen Abschnitte später unabdingbar!), Handschuhe. So ging es also, am Berg entlang, vorbei an Schneefeldern, Schießscharten mal über ungesichertes, mal über gesichertes unwegsames bzw. einfaches Gelände. An mancher Stelle hätte man sich doch ein zusätzliches Sicherungsseil gewünscht, hatte man ja ohnehin schon die Kletterausrüstung an – an anderen fragte man sich, warum gerade hier ein Seil gespannt wurde…

Der Paternkogelsteig, auch Innerkoflersteig genannt, lässt sich von beides Seiten aus begehen. Obwohl Hauptsaison war, war der Steig echt entspannt. Kaum jemand, der hinter und schneller war, dafür immer mal wieder Gegenverkehr, den man meist problemlos passieren lassen konnte.

Fast ständig konnte man anhalten und den Ausblick bestaunen! Es war einfach nur ein riesengroßes Geschenk, in dieser unwirtlichen, aber unendlich schönen Landschaft unterwegs zu sein!

Kaum vorstellbar, dass man während des Zweiten Weltkrieges hier “Krieg gespielt” hat. Sogar eine Kanone soll auf eine der Zinnen geschafft worden sein. Und ich hatte zu tun, mich Höhenmeter für Höhenmeter voran zu bringen.

Auf 2650 Meter war Pause angesagt: An der Gamsscharte. Wir nahmen uns wieder alle Zeit der Welt, vergnügten uns mit Kartoffeln, Bergkäse und Tomatchen und amüsierten uns darüber, dass jeder, aber wirklich jeder, der an dieser Kreuzung ankommt, fragt, wo es lang geht. Aber wo geht es nun lang? Auch wir waren verwirrt! 😀

Eines wussten wir aber: Die Einbahnstraße auf den Paternkofelgipfel sparten wir uns. Hier war doch relativ viel los und es gab anscheinend längere Wartezeiten, weil man den Gegenverkehr durch lassen musste. Angesichts des Pensums, das wir noch vor uns hatten, war es definitiv die richtige Entscheidung, vernünftig mit unseren Kräften zu haushalten.

Nach der langen Pause ging es an den Abstieg – diesmal nicht auf den Sonnenseite des Berges. Es war megakalt und mir froren fast die Finger ein, während wir Stück für Stück, über Fels und Schnee, abstiegen… und ich mich währenddessen mal wieder fragte: Wie bescheuert kann man eigentlich sein??

Bald hatten wir die Stollen aus dem Weltkrieg erreicht – hier durften endlich die Stirnlampen zum Einsatz kommen. Ducken war zeitweise angesagt, und es ging unendliche Stufen nach unten. Ich war so platt, dass ich nicht bereit war, einige Stufen zurückzulaufen und einen Geocache zu finden. Ich spekulierte außerndem auf einen der anderen Caches, die uns noch entlang des Weges erwarten sollten.

Was lange so fern schien, kam immer näher:

 

Einkehr in der Dreizinnenhütte

Mit müden Beinen kamen wir an der Dreizinnenhütte an. Auch hier hatten wir Glück: Der große Andrang war gerade vorbei und so mussten wir nicht allzu lange anstehen, bis wir Suppe und das letzte Stück Apfelstrudel mit auf einen Tisch auf der Außenterasse nehmen konnten. Draußen, mit Blick auf die Drei Zinnen und der Sonne im Gesicht schmeckte das Essen ganz vorzüglich. Drinnen hatte sich zwischenzeitlich ein Dachzeltnomadenaufkleber an der Tür verewigt… 😉

Von hier aus fanden wir vor allem auch den eben erklombmenen Paternkofel äußerst fotogen. Würden ihm nur die Drei Zinnen nicht die Show stehlen…

 

Umrundung der Drei Zinnen auf dem Birkenstockweg

Der Klettersteig lag hinter uns, die Umrundung noch vor uns. Rebecca nannte den Weg “Birkenstock-” oder “Flipflopweg”… von wegen!

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Sieht man mir etwa an, dass ich keinen Bock mehr auf Laufen hab? ;D

Aber bevor es losging, trödelten wir noch ein bisschen um die Hütte herum rum: Ein paar Fotos von der Hütte hier, ein paar Fotos von Lamas da, einen Geocache suchen und finden und dann konnte es auch schon weitergehen.

Und was soll ich sagen: Man kann den Weg sicher mit Flip Flops laufen… ich empfehle es aber nicht 😀 Es ging noch ordentlich rauf und runter und meine Knochen wurden immer müder….

Wäre da nicht noch der eine oder andere Geocache gewesen, der mich sogar motivierte, querfeldein zu laufen, hätte mich Rebecca wohl tragen müssen 😀
So konnte sie aber – tatatatadaaaa – ihren ersten Geocache finden!! Was für eine tolle Kulisse, an den Drei Zinnen an einem kleinen See einen Geocache zu finden 🙂 Auch an Fotos versuchten wir uns, mussten aber zugeben, dass der Touri-Foto-Spot vom Anfang einfach eine der schönsten Perspektiven ist.

Apropo Touri-Spot: Auf diesem Rundwanderweg war erstaunlich wenig los. Dies lag einerseits natürlich an der Länge des Weges (nach der Dreizinnenhütte nochmals 2,5h Wanderung), andererseits an der fortgeschrittenen Uhrzeit.. ich sag ja: Antizyklisch! 😀

Irgendwann erhoffte ich hinter jeder Kurve endlich, endlich, den Parkplatz zu erspähen… und wurde wieder und wieder enttäuscht. Trotzdem war die Landschaft wunderschön und ich genoss sie im Licht der späten Nachmittagssonne, während unsere Schatten länger und länger wurden.

Dann hatten wir es gegen 20 Uhr endlich geschafft: Der Parkplatz war in Sicht! Wir hielten uns nicht mehr lange auf, verstauten unsere Rucksäcke im Fahrzeug und waren froh, endlich unsere Schule ausziehen zu können. Und dann  machte mich Rebecca soooooooo glücklich, denn: SIE HATTE KEKSE DABEI!! 😀 Das beste, nach so einem langen Tag – das hatten wir uns echt verdient!

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