3 Wochen alleine mit dem Dachzeltauto unterwegs (James Baroud Hartschalenzelt)- Ein Erfahrungsbericht

Zwei Wochen alleine mit dem Dachzeltauto, 1400 Kilometer, neun Nächte im Dachzelt. Hier ein Resümee meiner Erfahrungen:

Dachzelt Test

Das Dachzelt alleine öffnen und schließen

Mein Bruder hat mir eine kurze Einweisung gegeben und mich nach Anleitung das Dachzelt öffnen und schließen lassen, zugeschaut und Tipps gegeben. Dazu muss man wissen: Für mich ist es bei soetwas wichtig, alles selbst anzufassen und auszuprobieren, damit ich es mir besser merken kann. “Haptischer Typ” nennt man das wohl auch 😉

Was wichtig ist zu sagen: Diese Dachzelt (James Baroud Evasion Evolution) hat eine Dachstaufläche, auf der man auch einen Ersatzreifen mitführen könnte, und somit verstärkte „Stoßdämpfer“ um das Gewicht tragen zu können. Das erfordert natürlich mehr Kraft beim Schließen des Zeltes.

Es war wirklich ultra anstrengend! Ich hatte nach dem Testlauf nicht geglaubt, dass ich alleine schaffe, es zuzumachen – und war nach der ersten Nacht heilfroh über einen Müllmann, der genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort und mir beim Schließen behilflich war.

Die Lernkurve war steil!

Mit der Zeit fand ich Tricks und Kniffe, wie es leichter geht, das Dachzelt alleine zu schließen. Hier mal gezogen, da richtig gedrückt und schwupps di wupps, war es auf einmal recht easy!

…nur: Wie man es schafft, sich an den Verschlüssen nicht jedesmal die Finger einzuzwicken, das hab ich noch nicht herausgefunden. Tipps, anyone?!

 

Ohne Klo und ohne Dusche unterwegs/ Vom Chemieklo zur Trenntoilette zu gar-kein-Klo!

Der wohl größte Unterschied zu meinem Kastenwagen bestand darin, dass meiner „Wohnung zur Zwischenmiete“ zwei elementare Bestandteile fehlten: Die Dusche und das Klo!

Auf der Autobahn alles kein Problem – da kann man sogar duschen (Ja, ich habs ausprobiert.) und hat alle paar Kilometer die Möglichkeit, die Keramikschüssel aufzusuchen. Abseits gestaltet sich das ganze schon schwieriger. Plötzlich findet frau es ganz normal, genauso wie Männer ins Gebüsch zu pinkeln! – will dabei aber trotzdem nicht gesehen werden, bitte!

Das „Klopapier“ nimmt man wieder mit in die eigene Mülltüte oder in den nächsten Mülleimer, selbstverständlich.

Ansonsten finden sich auch Möglichkeiten und Lösungen.

…und ich hab das erste Mal in meinem Leben das Vorhandensein von Dixi-Klos (auf dem Dachzelt Speciaal) als Luxus empfunden!

 

Wasserversorgung im Dachzeltauto

Ich hatte im Dachzeltauto einen Kanister mit 10 Litern dabei. Und war sehr sparsam unterwegs. Nicht zuletzt weil das Abspülen bei den Temperaturen echt unangenehm sein kann. Da wird das Zewa oftmals der beste Freund, nach dem Teigschaber… 😉

Hab mich vor allem beim Händewaschen sehr über meinen kleinen Wasservorrat gefreut, auch wenn die Handhabung ein bisschen diffizil war.

 

Kommunikativität mit Dachzelt!

…oder so! 😀

So ein Dachzelt ist wirklich sehr kommunikativ. Ich zähle mal auf:

Erster Morgen: Müllmann

Zweiter Morgen: Parkplatznachbarn

… bestimmt die Hälfte der Leute auf einem belebten Parkplatz an einer Kölner Rheinfähre.

Der Mann mit Hund im dunklen Wand nachts („Kochen Sie da gerade?!“ 😀 )

Ich will gar nicht wissen, wie das zur Hauptsaison ist 😉

Es wären sicher noch mehr gewesen, hätte ich nicht gezielt einsame Plätze in der Natur angefahren und wäre es nicht Nebensaison gewesen.

Ich muss sagen, ich fand das sehr angenehm. Die Leute waren alle super nett, offen und interessiert.

 

Angst (im Dunkeln?) alleine unterwegs

Alleine als Frau. Im Dachzelt unterwegs.

Manchmal hat man keine andere Option und „muss“ draußen sein.

Natürlich könnte ich auch relativ schnell vom Fahrersitz ins Dachzelt hüpfen, nachdem ich am Abend an einem Übernachtungsplatz angekommen bin.

Aber mit knurrendem Magen? Wohl kaum. (Man könnte sich auch einfach zeitlich anders organisieren, aber das wäre ja zu einfach! 😀 )

Also hieß es: Den ganzen Kladderadatsch an Küche ausfahren: Campingstühle raus, Tisch ausklappen, Klappen auf, um an Töpfe, Besteck und Co. zu kommen und los geht’s. Kochen im Dunkeln. Immerhin mit Stirnlampe aber um einen herum das große „Nichts“.

Wenn du jetzt denkst: „Oh, das würde ich nicht machen, da hätte ich Angst!“

– so habe ich vorher auch gedacht!

Aber wenn man keine Wahl hat… hat man eben keine Angst. Dann macht man einfach. Stellt fest, dass die Geräusche lediglich Herbstlaub im Wind oder Vögel auf dem Ästen sind. Lernt die Geräusche kennen. Und ist viel aufmerksamer, was die unmittelbare Umwelt angeht. Um somit: Mehr im HIER und JETZT.

Eine interessante Erfahrung!

…ist es nicht eh komisch, dass wir “im dunklen Wald” Angst haben? Wie entfremdet sind wir eigentlich von unserer Natur?
Ich fühle mich mittlerweile in Städten unwohler, wenn es ums Übernachten im Mobil geht.

 

Küche im Dachzeltauto

Küche im Dachzeltauto

Küche im Dachzeltauto

Wer mich kennt, weiß, dass mein Kastenwagen auch als Foodtruck durchgehen könnte. Kochen und Essen sind mir einfach wichtig. Ob das im Dachzeltauto genauso gut möglich war?

Um auch nur ansatzweise etwas in der „Küche“ machen zu können, war zunächst folgendes Programm angesagt: Kofferraum auf, Campingstühle raus, Tisch ausklappen, „Tischdecke“ drauflegen, Küchenkiste öffnen. Erst dann kommt man an Besteck. Teller, Töpfe, Salz etc.

Da is nix mit „Mal eben dies und das.“

Alles braucht seine Zeit. Man muss sich Zeit nehmen und man nimmt sie sich.

…Wenn man nicht in der dritten Nacht in Folge Frostbeule spielen will! Dann macht man sich eben noch den Aufwand in der finsteren Nacht um das Wasser für die Wärmflasche mit dem Gaskocher aufzuheizen.

Am schönsten ist es eh, es sich am Morgen – dankbar, dass es nicht regnet – hinterm Auto bequem zu machen und sich selbst ein königliches Frühstück zuzubereiten: Gekochte Eier oder Rührei, Avocadobrot, Marmelade, heißer Tee… Und dann, die ersten warmen Sonnenstrahlen des Tages im Gesicht, genüsslich in den Tag zu starten. Im Idealfall mit viel Grün und zwitschernden Vögeln drumherum.

Zugegeben, die ganze Räumerei kann man auch nervig finden. Aber auch hier gilt wieder: Solche Kompromisse gehe ich gerne ein für den Luxus, den ich dafür bekomme. Im Vergleich zum Kasten ist eben nicht alles in Griffweite und sofort erreichbar. Aber wenn man darauf eingestellt ist, ist es eben auch etwas ganz besonderes, (ausschließlich) unter freiem Himmel zu kochen und zu essen.

 

Wars kalt im Dachzelt?

Ob’s kalt war? In Mitteleuropa?!?!  lol

Ja, es war kalt. Ich habe in zwei Nächten mit Mütze geschlafen und gefroren, weil ich mir keine Wärmflasche gemacht hatte. Tja.

Bereits bei meiner zweiten Nacht – ever- in einem Dachzelt, auf dem Dachzeltfestival 2019 im Schwedenwäldchen, hatte es nur 2 Grad Celsius nachts. Daraufhin hatte ich mich bei so manchen Dachzeltnomaden informiert, was sie denn tun, damit sie es im Dachzelt trotzdem warm haben. Den Mützentipp hab ich mir gemerkt und sie haben recht!

Was mich aber nach einigen Nächten dann doch gestört hat, war die zunehmende Feuchtigkeit im Dachzelt, vor allem von Matratze und Bettzeug. Beim ins-Bett-krabbeln war das schon ziemlich unangenehm, aber nach kurzer Zeit war das dank Wärmflasche doch okay. Mittlerweile habe ich auch bzgl. Feuchtigkeit den einen oder anderen Tipp erhascht: z.B. Geschirrtücher ins Dachzelt hängen. Die Baumwolle zieht Feuchtigkeit an. Tagsüber kann man sie dann bequem draußen zum Trocknen aufhängen (sofern es nicht regnet – oder im Auto hinter der Windschutzscheibe, wenn doch mal ein Sonnenstrahl durchkommt). Manche sollen aus diesem Grund im Dachzelt sogar ganz auf einen Bettüberzug verzichten.

 

Schlafkomfort im James Baroud Dachzelt

Nachdem ich mich bei meiner ersten Nacht – ever- in einem Dachzelt ordentlich verrenkt hatte (das hätte bei dieser Bewegung aber wohl auch in einem normalen Bett passieren können), hoffte ich, dass ich mit der dünnen Matratze irgendwie klarkommen würde.

Und es war wirklich gut!

Sogar auf der Seite schlafen war ganz angenehm möglich, ohne am nächsten Tag nennenswerte Rückenschmerzen zu haben.

Im Dachzelt befindet sich die Matratze ab Werk und eine Mesh-Unterlage, mehr nicht.

Insofern hab ich tatsächlich immer sehr gut im Dachzelt geschlafen.

Natürlich muss man aufpassen, dass man nicht an der vielbefahrenen Straße nächtigt, denn man hört einfach alles durch die dünnen Zeltwände. Was aber wiederum sehr schön sein kann, wenn man mit Vogelgezwitscher am Morgen aufwacht – oder eben „Guten Morgen Sonnenschein“, wenn man zufällig auf einem Dachzelt-Camp nächtigt ;D

BMW E34 als Dachzeltauto auf dem Dachzelt Speciaal

BMW E34 als Dachzeltauto auf dem Dachzelt Speciaal

FAZIT nach 9 Nächten mit Dachzeltauto

Was mir wirklich Bedenken gemacht hatte – viel draußen sein zu MÜSSEN – war letztendlich viel schöner als gedacht. Trotz Kälte und viel Regen hatte ich Glück: Der Wettergott ließ mich immer im Trockenen aus dem Bett fallen und frühstücken.

Bezüglich des Umgangs mit dem Dachzelt hatte ich eine steile Lernkurve – und das glücklicherweise ohne etwas kaputtzumachen (was ja sonst oft der Fall ist, wenn man etwas Neues lernt oder ausprobiert, sind wir mal ehrlich).

Und obwohl mein Bruder und seine Freundin die Dachzeltprofis sind, konnte auch ich ihnen noch den einen oder anderen Kniff zeigen, den sie gerne übernehmen. Ist halt manchmal doch gut, wenn mal jemand anders draufschaut.

Letztlich fand ich es auch echt schade, dass ich nicht länger mit dem Dachzeltauto unterwegs war. Die Zeit ging so schnell rum und weil ich krank war, hatte ich doch hier und da die Möglichkeit, im warmen Steinhaus zu schlafen, dankend angenommen.

Im Dachzelt leben? Das ist definitiv möglich. Dann aber bitte mit einem Auto, bei dem ich nicht so sehr darauf aufpassen muss, dass alles heile bleibt. Ich weiß nun, warum das Auto von so manchem Dachzeltnomaden, der darin lebt, so aussieht, wie es eben aussieht 😉 Dann ist nochmal sehr viel mehr Entspannung bei der ganzen Sache dabei.

Dauerhaft damit unterwegs sein – ja. Aber: Unterwegs sein! Ortsfest im Dachzelt leben oder sich nicht aussuchen können, wo man ist, fände ich aufgrund des Wetters  problematisch. Ich wäre dann eher die, die dem schönen Wetter hinterherfährt. Längere Regenperioden stelle ich mir dann doch extrem anstrengend vor.

Noch Fragen?

BMW E34 als Dachzeltauto - schick oder?

BMW E34 als Dachzeltauto – schick oder?

Was ist geblieben?

Zurück im Kastenwagen ist mir aufgefallen, dass ich mich wohl daran gewöhnt hatte, nicht immer eine Toilette zur Verfügung zu haben. Ich bin viel seltener als sonst auf die Toilette gegangen und war froh, mein eigenes Klo zu haben!

Die eigene Dusche ist natürlich ein Luxus… aber für mich gar nicht so ausschlaggebend wie die Toilette. Das mag im Sommer, wenn man viel schwitzt, natürlich anders sein. Bei den Temperaturen wars okay – vor alllem, immer im Steinhaus, ganz egal ob Raststätte oder Zuhause von Freunden – duschen zu können, ganz viel Heißwasser zu haben und nicht aufpassen zu müssen, dass irgendetwas nass wird, was nicht nass werden soll, ist mit Dachzeltauto definitiv entspannter.

Ich bin ja grundsätzlich sparsam mit Wasser. Da ich mittlerweile das Wasser aus meinem Wassertank auch trinke (dank Trinkwasserfilter), finde ich es gar nicht mehr so schlimm, wenn er schneller leer wird – das Wasser darin wird auf Dauer ja auch nicht besser. Das, und die Tatsache, dass ich auf einmal das ZEHNFACHE an Wasser dabei hab, ließ mich in den ersten Tagen zurück im Kastenwagen schon fast verschwenderisch mit Wasser umgehen. Es war einfach so toll, so viel Wasser zu haben!! 😀

Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich ein bisschen offener bin. Wenn man sich nicht einfach hinter Blechwänden verstecken kann wenn nachts der Mann mit Hund Gassi geht und man feststellt, dass da gar nichts Schlimmes dabei ist, dann ist es schön, wenn etwas davon bleibt. Zum Beispiel öfter mal ne Einladung auf nen Tee annehmen, obwohl man eigentlich nur schnell ein bisschen Gemüse am Straßenrand kaufen will…

Zurück in der Türkei habe ich nicht – wie wohl viele von euch meinen – direkt die Sonne genossen und nix anderes getan. Nein, ich war tatsächlich nach Rückkehr zwei Tage lang fast nur im Kasten! Warum, kann ich gar nicht genau sagen:

  • Hab ich den Kasten vermisst?
  • War ich zuletzt zu wenig “drinnen”?
  • Ist einfach so viel Arbeit liegengeblieben?
  • Ist es auch in der Türkei zu kalt, weil zu windig?
  • Hat von meinen Bekannten vor Ort keiner Zeit, etwas zu unternehmen?
  • Hab ich keinen Bock, groß rauszugehen?

Wohl eine Mischung aus allem.

Mittlerweile hat sich alles wieder eingependelt und ich freue mich mehr denn je über all den Luxus auf meinen 6 Metern!! <3

 

 

Hast du Erfahrungen mit Dachzelt? Welche meiner Erfahrungen kannst du teilen, welche hättest du anders erwartet?
Freue mich über jeden Kommentar! 🙂

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