Luxus vs. Minimalismus im Wohnmobil. ODER: Warum „Loslassen“ wichtig ist.

Leben im Wohnmobil bedeutet Leben auf sehr kleinem Raum. Zumindest was die persönlichen Gegenstände angeht. Erfahrungen, wie z.B. die, dass ich ein halbes Jahr in Frankreich nur mit meinem kleinen Corsa voll Krams gelebt und kaum was vermisst habe und dahingegen mein volles Zimmer in der Homebase, wo einfach nur soooo viel Zeug steht, das sich über die Jahre angehäuft hat resultierten darin, dass ich zeitweise am liebsten alles einfach weggeschmissen hätte. Interessant ist, dass ich mich als Kind kaum von etwas trennen konnte. Alles hat ja irgendwie einen emotionalen Wert, es hängen Erinnerungen dran. Es muss für meine Mutti ein Graus gewesen sein, mit mir „auszumisten“ 😀

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Mein kleiner Corsa – da hat alles reingepasst, was ich in einem halbes Jahr im Ausland zum Leben gebraucht habe.

Erfahrungen, Veränderungen, Weiterleben (lassen)

Mittlerweile sieht das etwas anders aus. Ich habe realisiert, dass Erinnerungen nicht an Gegenstände gebunden sind. Erinnerungen sind in meinem Kopf, in meinem Gefühl… viele davon in irgendeiner Weise schriftlich oder bildlich festgehalten. Wenn ich etwas nicht mehr brauche, versuche ich mittlerweile, es über Verkaufsplattformen oder durch Verschenken weiterzugeben. Alle haben mehr davon, wenn er weiterverwendet wird statt bei mir in der Homebase zu verstauben.
Zwar ist das manchmal auch mit etwas Aufwand verbunden… viele andere Menschen werfen etwas lieber weg, das ist schließlich einfacher, als sich die Mühe zu machen, diesen Artikel online einzustellen, mit jemandem einen Zeitpunkt auszumachen etc. und dann nicht mal etwas dafür zu bekommen. Aber bei all dem Müll, den wir täglich produzieren (alleine dadurch, dass wir ihn kaufen!) muss das nicht auch noch sein. Außerdem ist das doch schön: Jemand anders freut sich drüber und das Ding wird noch weiter benutzt 🙂

Was wirklich mit in den Camper muss… und was lieber nicht

Durch dauerhaftes Leben im Wohnmobil merkt man, dass man ziemlich gut klar kommt (irgendwie ja auch, weil man es „muss“) mit dem Platzangebot in einem rollenden Zuhause, das keine sechs Meter lang ist und dass man darin alles beherbergen kann, was man im Alltag so braucht.
Dazu gehört auch, sich immer wieder bewusst zu machen und zu fragen:

„Brauche ich das wirklich?“

Diese Frage stellt man sich zwangsläufig beim Einkaufen oder wenn einen tolle Angebote anlachen, wenn man nicht vergisst, dass der Raum „Zuhause“ begrenzt ist.
Man kann es sich auch nicht mehr leisten, vieles auf Vorrat zu kaufen. Der Platz ist einfach nicht da. Hierfür wiederum ist es wichtig, eine gute Nahversorgung zu haben bzw. regelmäßig vor dem Verhungern einen Markt aufzusuchen – man ist ja mobil 😉
Genausowenig geht es, dass man selten gebrauchte Dinge auf Reserve oder falls etwas kaputt geht „im Keller“ hat. Natürlich wäre es schön, für den Fall der Fälle einen 10 Meter Schlauch an Bord zu haben, oder ein doppelt so langes Stromkabel, oder einen neuen Fahrradschlauch oder oder… aber wie oft braucht man solche Dinge wirklich dringend? Und falls doch, kann man sich meistens irgendwie anders behelfen. Not macht erfinderisch 😉 Und so kann man sagen, dass das Leben im Wohnmobil eben auch die grauen Zellen fit hält!
In meinem Fall gehört auch dazu, sich gut zu organisieren, was die ortsfest Arbeit angeht. Kollegen haben Zuhause ein Arbeitszimmer mit großem Schreibtisch, leistungsfähigem Drucker, gut bestückten Bücherregalen, Computer, Locher, Tacker, viele Stifte usw., was man eben so zum Arbeiten braucht.
Natürlich könnte ich mir auch in meinem Kasten ein Büro einrichten.
Natürlich wäre es fein, einen mobilen Drucker zu haben (erst kürzlich habe ich so ein Mini-Gerät fürs Handy gesehen…).
Dann wäre aber kaum noch Platz für was anderes.

Meine Lösung: Ich verlagere meine Arbeit dorthin, wo sie eigentlich hingehört: an den eigentlichen Arbeitsplatz. Dort gehöre ich zu denen, die am meisten Platz in Anspruch nehmen, aber da alle anderen anscheinend ihr gut ausgestattetes Arbeitszimmer im Steinhaus rege nutzen, stört das glücklicherweise auch niemanden 🙂
Toller Nebeneffekt: Arbeit und Freizeit sind räumlich getrennt, wodurch ich weniger an die Arbeit denke, wenn ich nicht dort bin. Das trägt unmittelbar zur „Psychohygiene“ bei.

Loslassen – Minimalism in your mind!

Loslassen befreit. Meistens besitzt man ja nicht nur die Sache, sondern die Sache besitzt einen (z.B. ein Fahrrad: regelmäßig putzen, Kette ölen, ab und an ein neuer Reifen, Luftdruck checken usw.). Außerdem zieht sowas “Folgebesitz” nach sich (das hab ich mal auf einem anderen Blog gelesen; Beispiel Fahrrad: Man braucht eine Luftpumpe, Flickzeug, evtl. Ersatzschlauch usw.).
Je weniger man besitzt, um umso weniger Sachen muss man sich kümmern.

Loslassen auf zwischenmenschlicher Ebene

Loslassen befreit auch zwischenmenschlich. Darüber könnte man einen eigenen Blogartikel schreiben… Manchmal klammert man sich an Freundschaften, Partnerschaften, kurz: Menschen, von denen man glaubt, man brauche sie in seinem eigenen Leben. Bzw. manchmal ist man “gezwungen”, loszulassen, sei es durch schlimme Schicksalsschläge, eine Trennung etc. Wenn man jedoch lernt, die Situation zu akzeptieren und das “Beste” daraus zu machen, geht es einem selbst viel besser. Manche/-s/-r ist eben nicht bestimmt dafür, uns ein Leben lang zu begleiten. Und meistens kommt etwas besseres nach. Vieles ist im ersten Moment unverständlich, mit einem reiferen Blick zu einem anderen Zeitpunkt macht aber doch alles Sinn und sollte genau so sein.

Um regelmäßiges Ausmisten kommt man (auch beim Leben im Camper) nicht rum 😉

Jeder (Wohnmobilist) wird beim regelmäßigen Ausmisten merken, dass er ziemlich viele Dinge mit sich herumgefahren hat, die nicht genutzt wurden und nur Platz in Anspruch genommen haben [Diese Aussage lässt sich auch auf das Leben und Beziehungen übertragen…]. Regelmäßiges Ausmisten ist daher vor allem am Anfang, wenn man noch nicht so lange im Camper wohnt, unabdingbar.
Allerdings gibt es auch ein paar Dinge in meinem Kastenwagen, die so mancher als „überflüssig“ oder „überflüssigen Luxus“ bezeichnen würde. Aber das ist eine andere Geschichte…

Ist jeder Camper ein Minimalist? Wie steht es in deinem Leben um Minimalismus?

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