[TÜRKEI mit dem Wohnmobil] Eine neue Batterie für den Kastenwagen/ Schon wieder in die Werkstatt – Adrasan

Batterie yok!

Seit zwei Tagen, also ungefähr seit kurz nach Ankunft in Cirali war mir das Batterieproblem nun bekannt. Selbst Überbrücken brachte wenig Erfolg und außerdem wollte ich meine LiFeYPo4 auch nicht zu sehr strapazieren, das gute Stück.
Als mit Hilfe meines Bruders per Ferndiagnose klar war, dass die Batterie wohl den besten Teil ihres Lebens hinter sich hat, stand ich da nun. Ok, das tat ich vorher auch. Radio hören unterließ ich natürlich. Außerdem stellte ich fest, das alles, was normalerweise bei Öffnen der Schiebtür angeht (Licht mit Schalter, Kühlschrankbelüftung, seit neuestem auch mit Schalter) scheint auch mit der Autobatterie verbunden zu sein. Nicht so schlau. Also blieb der Kühlschranklüfter aus, auch wenn den ganzen Vormittag die Sonne auf diese Seite knallte. Umparken war ja nun auch keine Option mehr. Hm. Die elektronische Verriegelung via Schlüssel hörte sich immer schwächer an, aber manuell geht’s ja auch.

20180920_100254.jpg
Da stand er, mein Kasten. Unfähig, wegzufahren. Was auch mal ganz beruhigend war, bei meinen Ausflügen, denn so konnte auch ein potentieller Dieb ihn nicht wegfahren 😀 – übrigens nicht der schlechteste Platz, um “festzustecken”

Losfahren nur Dank Überbrückung

Als ich dann nach meinem Sightseeing-Tag wieder aufbrechen wollte, fragte ich die Wohnwagen-Nachbarn am Morgen um Hilfe. Dies war übrigens der erste Tag, an dem sie mich nicht geweckt hätten, ich aber extra deswegen extra früh ausgestanden war. Die zwei Tage zuvor hingen sie um halb 9, 9 ihren Wohnwagen ans Auto, und kamen ne halbe Stunde später wieder, abkoppeln etc. Nicht nur, dass es laut war, so direkt neben meinem Bett, sondern es gelangten während dieser Aktion auch jede Menge Abgase in meinen Kasten. Naja.
Am dritten Tag ohne Ausschlafen ging ich also nach meinem Frühstück (ja, so früh war ich aufgestanden, ich hatte sogar schon gefrühstückt, bis meine Nachbarn heute mal ungewöhnlich spät und ohne Motor aus den Wohnwagen kamen) hinüber und bat um Hilfe. Mein Türkisch reichte aus und ehe ich mich versah, stand sein Auto neben meinem und mein luxuriös langes Überbrückungskabel tat seinen Dienst. Im Nullkommanix lief die Kiste wieder, juhuuu!
Die erste Hürde des Tages war also geschafft.

Ab zur Werkstatt

Jetzt musste ich es nur noch schaffen, eine Sanayi (Industriegebiet auf Türkisch; dort findet man unter Anderem Werkstätten, Ersatzteilverkäufer etc.) zu finden und dort ein Geschäft, das Autobatterien verkauft und am besten ein geeignetes Modell vorrätig hat.
Kumluca war die nächste größere Stadt auf meinem Weg. Google spuckte mir den Standort der Sanayi aus und ich machte mich auf dem Weg. Noch gar nicht richtig „drin“ leuchtete es mir auch schon entgegen: “Akü” und so weiter! Hier war ich richtig! Das ging ja einfach. Danke, Leben!
Erst überlegte ich noch, ob ich den Kasten abstellen und zu Fuß hingehen soll, um nach einer neuen Batterie zu fragen, entschied mich dann aber doch dazu, direkt hinzufahren. Sofort wurde ich auch angewiesen, direkt in den großen Hof der „Werkstatt“ zu parken. Tamam!
Ich ließ den Wagen an und schilderte dem Chef, der direkt herkam, mein Problem. Naja, schildern und türkisch… ich sagte, dass es ein Problem mit der Batterie gibt! 😀
Und schon ging er ans Werk: Volt messen mit Motor an und Motor aus. Fällt ziemlich schnell ab. Dann ausbauen, um die Flüssigkeit in allen Kammern zu messen. Und siehe da, zwei von ihnen waren kaputt. Er zeigte mir das auch, indem er Strom drauf gab und die Flüssigkeit dann lustig zu brodeln anfing… Aber kein Wunder, selbst wenn die Batterie am ersten Tag noch nicht ganz kaputt gewesen sein sollte (was unwahrscheinlich ist), war sie mittlerweile fast zwei Tage mit zu wenig Volt rumgestanden.
Es war also klar: Eine Neue muss her. Er hatte zwei im Angebot. Meine hatte 95Ah, und seine 100 bzw. 110Ah. Da die größere eine Varta war und die mit 100Ah eine türkische Marke, fiel die Wahl auf Varta. Ein bisschen länger ist sie, aber da ist Platz. Auf den Hinweis meines Bruder mit dem Gewicht (das leidige WoMo Thema!), wurden sowohl meine alte, als auch die neue Batterie in spe gewogen: 23 vs. 25 Kilogramm. Ist zu verschmerzen.
Ehe ich mich versah, war das gute Stück eingebaut. Sehr fein! Und: sehr professionell: Schlauer als ich wurde die „Operation am offenen Herz“ nämlich bei laufendem Motor und mit extern angeschlossener Zweitbatterie durchgeführt. Anders als bei meiner Aktion, den Schlüssel mit neuer Batterie wieder mit dem Auto zu koppeln indem man die atterie kurz abklemmt, wurde so nämlich nicht der gesamte Bordcomputer gelöscht.

20180920_113747(0).jpg
Ausgedient

Untitled-222.jpg
Das neue Herzstück steht noch im Regal

fiat ducato werkstatt.jpg
Werkstattparkplatz, schon wieder

Gasflaschen-Service

Und dann kam wieder eine typisch türkische Aktion: Ich fragte bei einem Kaffee, während die Rechnung fertiggemacht wurde, ob er denn wisse, wo ich eine Gasflasche bekäme. Daraufhin sah er sich die Flasche mal an, schließlich gibt es verschiedene Modelle.
Ich verstand das Folgende dann so: Man bekommt sie in der Stadt, aber da geht es super eng zu, also schwierig mit meinem großen Auto. Sie könnten die Flasche aber in ihr kleines Auto packen und mir eine neue besorgen.
Also wenn ich solche Aktionen nicht schon kennen würde, hätte ich ja gedacht, ich hab das falsch verstanden.
Aber es war tatsächlich so. Flasche raus, Kaffee weiterschlürfen und kurze Zeit später stand die neue Flasche da. Unglaublich…toll! Für solche Aktionen liebe ich die Türkei!
[Ehrlich: In Deutschland in einem klitzekleinen Einkaufszentrum, wo ich Vorhänge für meinen Kasten nähen ließ, war es nicht möglich, dass die Verkäufer bzw. die Schneiderin den Weg in den 20 Meter entfernten Gemischtwarenladen tätigt um dort evtl. noch Klettband zu besorgen, sofern es denn machbar wäre, dieses anzunähen (konnte mir bei Auftragsaufgabe nicht mitgeteilt werden, da die Schneiderin nicht im Hause war). Kosten hätte ich selbstverständlich übernommen. Aber nein, ich müsste selbst dorthin kommen und das Klettband kaufen, es in den anderen Laden zu Schneiderin bringen wenn ich es an meinen Vorhängen habe wollte! Deutschland.
Und hier war man so überaus zuvorkommend, mir einen Dienst zu erweisen, der nicht im geringsten etwas mit der eigentlichen Geschäftstätigkeit zu tun hatte. Danke, Türkei.]

Neugierde – Wohnmobil

Natürlich nutzen die beiden Mitarbeiter (die, wie alle, die dort arbeiten, zur Familie gehören), diese Gelegenheit um nochmals durch die Hecktüren einen genaueren Einblick in mein Wohnmobil zu bekommen. Ich muss sagen, ich hab zwar zwischen Fethiye und Antalya so viele Wohnmobile gesehen wie sonst nirgends in der Türkei, aber trotzdem steht so etwas wohl eher selten in dem Hof. Sie wollten dann noch wissen, wie viel der Kasten gekostet hat und wir sprachen noch ein bisschen darüber, was er alles kann (sicak su, günes enerji etc.) und wohin die Reise geht. Mir wurde dringendst empfohlen, doch nochmal Richtung Antalya zurück- und nach Adrasan zu fahren. Dort sei es viel schöner als in Cirali, schworen mir die Einheimischen – war ja klar! 😉

Planänderung: Ab nach Adrasan

Und sie behielten Recht. Das Wasser war aufgrund der Bucht relativ ruhig, der fast nur Sand-Strand tatsächlich schöner als in Cirali und die umgebende Landschaft – Berge! – wunderschön!
Auf dem Weg dorthin, es ging super steil bergab und das über mehrere Kilometer, fingen allerdings meine Bremsen ordentlich zu stinken an, sodass ich zwischenzeitlich mal eine kleine Rast einlegte – auch ein Stopp bei A101 kam mir gelegen, denn ich musste mal wieder ein bisschen einkaufen.
Auf dem Parkplatz stand schon ein anderes Wohnmobil und ich wurde sowohl von dessen Besitzern (sehr nett!) als auch vom Parkwächter darauf aufmerksam gemacht, dass Camper/Campen (?) hier eigentlich verboten ist. Also Markise muss drin bleiben und nix raus stellen. Geht klar. Ob man nun übernachten darf oder nicht, wurde nicht ganz klar, aber hier ging ich mal nach dem Motto vor:

Wer lang fragt, geht lang irr!
Zugegeben, ich hatte den Parkwächter gefragt, wie lange das Ticket gültig ist und er meinte für einen Tag. Das ist nun Auslegungssache würde ich sagen 😀

P1110354.JPG
TÜV Türk irgendwo auf dem Weg nach Adrasan

P1110358.JPG
Den Gefällegrad kann man sich wohl aussuchen – ob er auf den anderen Schildern überhaupt stimmt?

P1110361.JPG
Blick auf die Bucht von Adrasan

Meer und Essen

Obwohl ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen und mittlerweile ein richtiges Loch im Bauch hatte, hüpfte ich erstmal ins Meer. Ich liebe es, einfach nur mit Flip Flops und Handtuch zum Strand zu laufen, alles dort abzulegen und direkt ins kühle Nass zu springen. Es könnte manchmal ein bisschen kühler sein, aber dann würde es mir wohl nicht mehr so leicht fallen 😀
Nach der kleinen Abkühlung gings zurück zum Kastenwagen: Abduschen, anziehen. Sehr praktisch, dass ich mich seit etlichen Wochen nicht mehr schminke – so hat man mehr vom Tag! Also direkt los, die kleine Straße lang, an der es einige kleine Restaurants gab. Mir stand der Sinn nach Pide oder Lahmacun in dieser Gegend, in der man in jedem zweiten Restaurant oder Imbiss Gözleme bekommt. Die konnte ich mittlerweile nicht mehr sehen.
Meine Wahl fiel auf ein sehr gemütlich hergerichtetes Restaurant namens „Le jardin“. Stilecht lief sogar teilweise französische Musik! <3
Ganz unfranzösisch und untürkisch ließ ich es mal wieder richtig krachen und bestellte mir Cheeseburger mit Pommes und Cola! 😀 Die Cola verdünnte ich 50:50 mit Wasser – die schmeckt dann tatsächlich immer noch süß genug!! Und man hat mehr davon 🙂
Obwohl die Portion erst relativ klein aussah, war es mehr als genug. Ich genoss es so richtig: Sehr gutes Essen, Blick aufs Meer, tolles Ambiente… Auch die Nachtische klangen sehr verlockend (hausgemachter Limette-Käsekuchen und so!!), aber das war leider nicht mehr drin.
Dieses Festmal kostete mich übrigens gerade mal 40 TL inkl. Trinkgeld (aktuell: 1€ = 7,2TL)

Nach einem kurzen Zwischenstopp am Kasten chillte ich mich mit Handtuch ans Meer und hielt ein kleines Verdauungsschläfchen. Als ich wieder aufwachte, war die Sonne schon hinter dem Berg verschwunden. Ich genoss trotzdem noch eine Weile den immer leerer werdenden Strand auf meinem Handtuch, sah den Booten zu und den kleinen Wellen, spürte den Wind überall auf meinem Körper… ach, einfach schön!

P1110373.JPG
Adrasan-Strand

Adrasan Strand.JPG
Adrasan-Strand

adrasan restaurant.jpg
Kleines hübsches Resto

adrasan restaurant (2).jpg
Mal ganz untürkisch, aber trotzdem super lecker gegessen

Das könnte Dich auch interessieren …