Härtetest für den Kastenwagen – die kälteste Woche des Winters 2017/18. Ein Erfahrungsbericht.

Eine Woche Leben im Wohnmobil bei Frost

Nachdem ich am Wochenende die Kälte unterschätzt und nach fast zwei Tagen in der Homebase erst am Sonntag die Heizung meines Kastenwagens angeschaltet habe, war der Gute ordentlich durchgekühlt. Aufgrund der Erfahrungen mit meinem Alkoven wusste ich, dass Wohnmobile doch einiges abkönnen, was Kälte angeht, und so ließ ich es drauf ankommen: Da ich ohnehin nicht zeitig genug das Frischwasser aus dem System abgelassen hatte, füllte ich neues nach bzw. hatte das vor. So entspannt wie sonst lief das Wassereinfüllen schon mal nicht ab, denn der Wasserschlauch hat bei der Kälte die Biege gemacht. Ein kleines Plastikteil im Anschluss war wohl abgebrochen, und so funktionierte nichts mehr wie gewohnt. Na klasse, und das bei ordentlichen Minustemperaturen. Also musste ich aus dem Keller die Gießkannen hervorkramen und damit einfüllen. Nicht allzu viel, schließlich würde ich aller Voraussicht nach diese Woche nicht im Kastenwagen duschen, aber auch nicht zu wenig, damit es nicht gleich wieder gefriert. Nachdem meine Finger bei den Minusgraden fast eingefroren waren und den Hof der Homebase zwei schöne glatte Eisflächen zierten, war also genug Wasser im Frischwassertank um (verspätet) starten zu können.

Apropos Frischwassertank: Am Freitag zuvor fiel mir auf, dass der Deckel meines Frischwassertanks weg war. Geklaut oder irgendwie verloren, das werde ich wohl nie herausfinden. Jedenfalls bin ich gleich am Freitag zum lokalen Händler meines Vertrauens, wo ich prompt einen neuen, passenden Deckel mit Schloss bekommen habe. Jetzt habe ich einen weiteren Schlüssel am Schlüsselbund. Aber wenns nix Schlimmeres ist. Interessant fand ich nur die Preispolitik: Während die Abdeckung für den Truma-Boiler (ein einfaches Plastikteil) satte ~32€ kostet, zahlt mal für den Frischwassertankdeckel inkl. Schloss und Schlüssel gerade mal ~15€. Der Verkäufer konnte mir das auch nicht erklären, murmelte aber was in Richtung „Monopolstellung“… ^^

Nach eineinhalb Stunden Fahrt, in denen ich die Heizung dauerhaft auf Stufe 4 und höchster Temperatur hatte laufen lassen, war der Kasten immer noch nicht richtig warm. Die Wärmflasche im Bett war noch teilweise eingefroren, am Wasserhahn hing ein kleiner Eiszapfen und die Toilette musste mit Frostschutzmittel UND heißem Wasser behandelt werden, um den Schieber öffnen zu können. Die Wasserpumpe machte immer noch keinen Mucks. Egal, es war spät, also kümmerte ich mich darum, wenigstens die Wärmflasche warm zu bekommen und kuschelte mich wie gewohnt unter meine drei Decken.

Am nächsten Morgen hatte ich warme 22°C im Kasten, während es draußen -6°C kalt war. Die Wasserpumpe sprang wieder an und aus den Wasserhähnen kam wieder fließend Wasser. Yay!

Der Abwassertank stand offen, aber es kam ohnehin nicht viel Wasser raus, da ich äußerst sparsam damit umging.

Am Mittwoch bemerkte ich einen dicken Eiszapfen unter dem Kastenwagen. Offensichtlich war der Ablauf des Wassertanks eingefroren, während da etwas herausgelaufen war. Unglaublich, wie eine solch relativ große Öffnung einfrieren kann. Auch die Abwassertankheizung konnte da nicht mehr viel reißen…

Kurze Zeit später war dann auch der Abfluss des Waschbeckens zu. Auch Frostschutzmittel und warmes Wasser konnten da nicht mehr helfen. Ich nehme an, dass das Abflussrohr einen geringeren Durchmesser hat, als der von der Spüle. Die funktionierte nämlich noch!

Geduscht habe ich diese Woche im Schwimmbad nebenan, da ich keine Lust auf nasse Füße beim Toilettengang hatte. Nehme an, dass dort der Abwasserschlauch ebenfalls eingefroren wäre.

Dazu kam, dass mir in dieser Woche auch noch mein Stabfeuerzeug „Lebewohl“ sagte. Gas war schon länger keines mehr drin, aber der Zündfunke reicht ja, damit ich den Herd anbekomme. Ich muss mich auch erst noch zurecht finden in meinem neuen Zuhause… Dass ich mal wieder vorgesorgt und weitere Feuerzeuge an Bord hatte, bemerkte ich erst später… Solange musste ich ausnahmsweise mal ohne Dauer-Wärmflasche auskommen.

Mein Glück in dieser Woche war, dass die Sonne ausgiebig schien. Sie lud mir tagsüber meine LiFeYPo4 wieder gänzlich voll, sodass es sogar zum Laptop Laden, Dauerheizen und Abwassertankheizen reichte. Am Donnerstag schien sie sogar so stark, dass der Kasten ordentlich erwärmt wurde. Was einerseits an einem großen Eiszapfen, der aus einer Ablauföffnung der Karosserie hinten wuchs, sichtbar wurde, andererseits hörte ich mal wieder ein Tropfgeräusch. Als ich die Verkleidung an der Wand hinten beim Bett etwas auseinanderdrückte, konnte ich eine Öffnung in der Karosserie entdecken, das wohl für den Wasserablauf gedacht war. Vielleicht lag es an der leichten Schräglage vom Kasten oder an einer Fehlkonstruktion… Jedenfalls lief das Wasser nicht unbemerkt ab, sondern tropfte auf die Stelle, an der die zwei Wandverkleidungen aufeinander stoßen. Es kamen also auch einige Tropfen in den Kastenwagen. Mit ordentlich Zewa konnte ich die Feuchtigkeit dann einfangen…

Gefroren habe ich in der ganzen Woche im Kastenwagen nicht, und die Heizung kam auch noch nicht an ihre Grenzen. Auf 75% hatte ich nach zwei Stunden kuschelige 25°C im Kasten, und es wäre wohl noch mehr gegangen.

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Wasserhahn ist eingefroren

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Knapp 30°C Temperaturunterschied. Die Dieselheizung packt das!

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Abwassertanköffnung eingefroren

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Mein Kastenwagen baut Eiszapfen

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Dauer-Wärmflasche, um die kalten Füße nach dem Kochen wieder aufzuwärmen

Die Isolation meines Kastenwagens

Teure Isomatten sind nicht mein Ding. Dass die Remis-Fahrerhausverdunklung kaum etwas gegen die Kälte ausmacht, ist klar. Die Frontscheibe decke ich mit einer extra großen Silber-Thermofolie ab. Bei den Hecktüren hängt innen ein Vorhang, der zwar nicht sehr flächig „abdichtet“ – aber besser als nichts. In puncto Wintertauglichkeit besteht also noch Optimierungsbedarf.

Fazit – Wintercamping mit dem Kastenwagen

Was soll ich sagen. Mir ist bereits beim Einbau der Solaranlage aufgefallen, dass die Karosserie keine Verkleidung/ Dämmung hat, sondern dass zwischen ihr und dem Dach beispielsweise einfach eine dünne (0,5 – 1 cm) Schicht Styropor eingelegt ist. Styropor bringt wenig und nichts. Aber selbst wenn dort besseres Styrodur verbaut wäre, würde es nicht viel bringen, da es nicht lückenlos angebracht wurde. Mein Kasten ist also definitiv nicht für längere Frostperioden geeignet, Wassertankheizung hin oder her!

Wer sich so ne Kiste anschaffen möchte und damit dauerhaft in kälteren Gefilden unterwegs sein möchte, sollte sich definitiv eines mit Winterpaket kaufen. Oder am besten selbst ausbauen und alles schön mit Armaflex dämmen.

Jetzt freue ich mich aber erstmal wieder auf wärmere Temperaturen. Irgendwo habe ich mir in dieser Woche auch noch ne fette Erkältung eingefangen. An den Temperaturen im Kastenwagen kann es aber nicht gelegen haben.

Was sind eure Erfahrungen mit dem Wintercamping? Habt ihr Tipps zur Optimierung des Campers in solchen kalten Tagen?

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