Rückblick. Liebeserklärung an mein altes Wohnmobil und die besten Erlebnisse mit ihm <3

Oft sind mir solche und ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen, jetzt wird es mal Zeit, sie niederzuschreiben.

Mein Wohnmobil <3 . Mein Erstes. Es hat mir so viel beigebracht. Wenn nicht sogar alles, was man übers Campen wissen muss. Wie ein Boiler funktioniert, wie man die Heizung zum Laufen bekommt (neumodische Camper drücken einfach nur auf einen Knopf, tjaha, so leicht ist das in so einer alten Charakterkiste nicht!), und was man am besten tun muss, falls diese und andere „technische“ Gerätschaften im WoMo nicht funktionieren. Warum es Sinn macht, den Wassertank von außen zu befüllen, im Sommer im Alkoven und im Winter hinten unten zu schlafen. Dass man bei manueller Zündung besser wartet, bis das Gasventil zu und selbiges verdünnisiert ist, wenn man nicht möchte, dass die Heizungsschlotabdeckung durch eine kleine Verpuffung in hohem Bogen vom WoMo fliegt.

Es hat mich immer wieder mit seinem unglaublich kleinem Wendekreis überrascht und aus den engsten Situationen manövriert (manchmal nicht so ganz erfolgreich, aber das lag am Fahrer 😉 ) und vieles, wirklich alles über sich ergehen lassen. Oder eher „unter sich“ – ohne Mucken zuckelte es langsam, aber bestimmt über schlaglochübersähte Feld- und Kieswege, brummte motiviert 20% Steigung bergauf (Alpenüberquerung mit dem WoMo), brauchte auf den 330 Kilometern in die Türkei im Sommer 2016 nur eine kleine Verschnaufpause an der montenegrisch-albanischen Grenze (Schieb’ das WoMo über die Grenze! ), kutschierte mich in der westlichen Türkei überall hin und brauchte nur ein Ersatzteil (es wollte wohl auch mal eine türkische Werkstatt von innen sehen 😉 ), fuhr im Sommer 2017 gänzlich ohne Ausfälle eine noch längere Strecke wieder zurück nach Deutschland und durch all das brachte es mich an die schönsten Orte! An manchen musste es etwas leiden. Meerblick zum Aufwachen gibt es nunmal nicht ohne Salz in der Luft…

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Die schönsten Orte wären aber nicht alles, ohne die schönsten Begegnungen und Erlebnisse.

Begegnungen… ; die Dir immer wieder bewusst machen, dass man den Menschen viel mehr Vertrauen schenken und mit viel mehr Offenheit durchs Leben gehen sollte. Das fällt mir oft noch sehr schwer, da bin ich leider noch viel zu häuf0g ganz deutsch. Aber es gelingt mir schon leichter, als manchem anderen. Zum Beispiel, als auf dem Weg in die Türkei in der Türkei irgendein Türke unser WoMo reparieren will. What?! Sowas schonmal in Deutschland passiert? Bei Julian schrillten alle Alarmglocken und er hatte sicherlich keine ruhige Minute, während der gute alte Mann mit dem Glasauge die halbe hintere Achse laut eigener Aussage zum Austausch in seine Werkstatt fuhr und wir derweil mit aufgebocktem WoMo (also absolut NICHT fahrtüchtig ohne dieses Teil!) dasaßen und nichts tun konnten als warten 😀 Jetzt können wir drüber lachen, und das ist doch das schönste dran. Es gibt wirklich wenige solcher Erlebnisse, über die man im Nachhinein nicht schmunzeln oder sogar lachen kann. Aber das war so ziemlich die skurrilste Begebenheit in der Zeit mit diesem WoMo. (Wer’s nochmal nachlesen möchte: Ein Engel in der Türkei )

… und Erlebnisse, die Dir immer wieder zeigen: Wir leben in einer schönen Welt. In einer guten Welt. Sie ist viel schöner und besser und liebevoller als uns die Medien Tag für Tag suggerieren. Manchmal habe ich das Gefühl, letzteres ist eine Parallelwelt. Wir Menschen verstehen uns. Es gibt Verbindungen und Bande, unzerstörbar, da mögen die „da oben“ sich noch so sehr streiten wie kleine Kinder im Kindergarten und ihr politisches Verhältnis verschlechtern. Das ist etwas anderes, wenn man mich fragt. Doch leider beeinflusst es. In negativer Weise, finde ich. Man hat Meinungen und Vorbehalte, Vorurteile gegenüber Menschen, nur weil diese auf der anderen Seite einer imaginären Grenze stehen. Die wir Deutsche in den meisten Fällen einfach übertreten dürfen. Die viele andere ihr ganzes Leben nicht übertreten dürfen, nur weil sie nicht in Besitz eines so „mächtiges“ Passes sind wie z.B. wir Deutsche. Ich finde das sehr schade. Was kann ein MENSCH schon dazu, auf welcher Seite dieser vielen imaginären Linien er nun geboren wurde? Zack, viele „Rechte“ und „Privilegien“. Zack, für dich nicht, du musst erst sehr hart dafür arbeiten und bist vom Wohlwollen anderer abhängig. Umso erstaunlicher, dass mir gerade von diesen Menschen die (bezogen auf meinen Erfahrungsschatz) größte Gastfreundschaft und Freundlichkeit entgegen kam. Davon können sich sehr viele Menschen (ich nehme mich da nicht aus) eine große Scheibe abschneiden. Korrigiert mich, falls ich ein zu falsches Bild habe, aber welcher Deutsche würde rechts ran fahren, wenn da ein ausländisches Auto mit Warnblinker am Straßenrand steht? Welcher Deutsche unterbricht seine Reise zu einem Termin, zu dem er bestens gekleidet ist, um ein ausländisches Fahrzeug, das offensichtlich bald ein großes Problem haben könnte, auf einem öffentlichen Parkplatz zu reparieren? Welcher Deutsche lacht, grüßt und spricht mit Fremden, von einem Fahrzeug ins Andere, wenn man nebeneinander an der Ampel steht? Oder mit anderen Deutschen, die er nicht kennt?

Ach, es waren so viele Erlebnisse, die vor allem die Zeit in der Türkei so besonders gemacht haben.
Natürlich ist man als meistens alleinfahrende Frau in so einem alten WoMo in der Türkei sowas wie ein bunter Hund und auffälliger als mit einem gewöhnlichen Fahrzeug. Aber auch mit solchen sind lustige Begegnungen zustande gekommen.

Nicht zuletzt der letzte Sommer mit meinem WoMo, die Reise zurück nach Deutschland mit Melly und Julian war eine ganz besondere Zeit. Eine Zeit, und ein Fahrzeug, an die ich mich mein Leben lang gerne und mit einem Lächeln auf den Lippen erinnern werde.

Man soll aufhören, wenns am schönsten ist. Im Herbst haben Julian und ich das gute Stück nochmal fit gemacht für den TÜV. Erfolgreich! Es soll verkauft werden, aus verschiedenen Gründen. Eigentlich war der Herbst dafür angesetzt.
Nun aber darf es noch eine Weile bei uns bleiben 🙂 Es erfüllt weiterhin seine Funktion als Wohnung auf Rädern und wird voraussichtlich noch einige Monate lang an einem schönen See stehen – und natürlich auch noch einige Ausflüge mitmachen! Julian benutzte es, nachdem es wieder in der Homebase war, bereits für die eine oder andere Übernachtung am See und ich freue mich immer sehr darüber, wenn es wieder unterwegs ist, anstatt sein Dasein im heimischen Hof oder auf der Straße davor zu fristen… 🙂

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An solchen Plätzen gefällt es ihm am besten 😉

„ ‘Zeig ihm die Welt’, hat er gesagt.“

— Mission accomplished. —

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