22.06.2017 – WoMo wird eingesperrt :(

Abschiede gegen Ende meiner Zeit in Izmir

Nachdem ich mich schon auf die Entfernung von meinem Roller verabschieden musste (dessen neuer Besitzer nahm ihn nämlich während meiner Abwesenheit – Kappadokien – in Empfang), stand einige Tage später der Abschied auf Zeit von meinem WoMo an.

Kurz vor Ablauf der drei Monate Visum-Überziehen (und den drohenden 10.000 TL Strafe (=zu der Zeit 2.500€)) ging ich mit einer lieben Bekannten, die sich mit Recht und Gesetz auskennt und praktischerweise noch dazu türkisch sowie deutsch kann, zum Zoll. Dorthin, wo ich einen Monat zuvor tränenüberströmt rausgegangen bin, nachdem mir alle Panik gemacht hatten, dass ich sofort rausfahren solle aus der Türkei und mein WoMo bei einer Kontrolle beschlagnahmt werden könnte… Dass es auch anders geht, darüber hat mich dort trotz mehrfacher Nachfrage niemand informiert.
In der Schule waren alle super hilfsbereit, als sie erfahren haben, was los war. Ich setzte also alle mir Möglichen Hebel in Bewegung und kontaktierte das Deutsche Konsulat in Izmir sowie andere Connections, die ich bekommen hatte. Tatsächlich gibt es Menschen, die sich (teilweise) auf genau soetwas spezialisiert haben.

Aber von vorne:

Was was passiert?

In der Türkei ist die Aufenthaltsdauer des Fahrzeugs an die Aufenthaltsdauer des Besitzers gebunden. Gegen Ende März lief mein Türkei-Visum (Ikamet) ab. Das alleine dauert schon einige Wochen, bis man ein neues bekommt. Was ich zu spät bemerkte: Die Gültigkeit meines Reisepasses lief ebenfalls ihrem Ende entgegen. Also: erst neuen Pass beantragen, dann das Ikamet. Was natürlich nochmal länger dauert. Als ich dann irgendwann mit neuem Ikamet und Pass in die Zollbehörde marschierte, um mir einen aktuelisierten Ausreisestempel fürs Wohnmobil abzuholen, kam das böse Erwachen: Man sagte mir, dass ich BEVOR das Ikamet abgelaufen wäre, ein Formular hätte abgeben müssen. Jetzt sei das verwirkt und eine Änderung im Nachhinein nicht möglich. Ich müsse sofort ausreisen.Mein Verstand kombinierte schon während dieser Aussage innerhalb von Sekundenbruchteilen: Wenn das Wohnmobil raus muss, ist meine Zeit hier ebenfalls beendet, kann ich die letzten schönen Schulwochen vergessen, fällt der Urlaub mit Melly ins Wasser, …. und auch mein Körper reagierte zeitnah, indem die Tränen flossen. Ein Türke, der in der Behörde ebenfalls etwas zu erledigen hatte, konnte Deutsch und versuchte mir zu helfen (DANKE!). Aber selbst die Nachfrage bei der Chefin des Zollamtes brachte keine andere Lösung zutage.*

Gibt es eine Lösung? Oder muss ich sofort ausreisen?

Zu meiner großen Beruhigung stimmten alle (Konsulat, kontaktierte Menschen, die sich damit auskennen) darin überein, dass ich erstmal nicht ausreisen muss, bzw. mein Wohnmobil, um das es ja ging. Die Informationen unterschieden sich trotzdem – auch in der Türkei gibt es regelmäßig Gesetzesänderungen – , aber im großen und ganzen konnte ich mit dieser Lösung leben:
Der Plan war also Folgender: Das WoMo beim Zoll vor Ablauf der drei Monate abstellen. Strafe für die drei Monate zahlen. WoMo wird dann aus dem Pass ausgetragen (quasi „ausgereist“).* Für jeden Tag, den es beim Zoll steht, kostet es eine ordentliche Parkgebühr. Wenn man es von dort wieder abholt*, hat man eine Woche Zeit, das Fahrzeug außer Landes zu bringen (was eine angemessene Zeit ist, wenn man bedenkt, wie groß die Türkei ist).

* Beide Prozeduren sind im wahrsten Sinne des Wortes solche! Passierschein A38 (Asterix und Obelix Fans wissen, was ich meine) ist nix dagegen!

Letztlich hatte ich mich dafür entschieden, mit einer Bekannten von der Schule die Formalitäten zu klären und ich bin super dankbar, dass sie sich dafür bereiterklärt hat!

Das Wohnmobil beim Zoll abgeben – gar nicht so einfach!

Was sich oben so leicht liest, gestaltete sich eher kompliziert: Um 10 waren wir beim Zoll. Nach viel Papierkram, noch mehr Rennerei, noch mehr Antreiberei (auch in der Türkei gibt es Beamte) und Hofferei „durfte“ ich gegen 15 Uhr „endlich“ meinen Pass mit ausgetragenem Fahrzeug entgegennehmen und kurze Zeit später mein WoMi aufm Hafengelände zwischen ganz vielen großen LKW und Containern auf das Auto-Gefängnis stellen, wo schon andere Fahrzeuge brav darauf warteten, wieder von ihren Besitzern abgeholt zu werden. Wir hatten noch einige Action, da sich die Bearbeiter in der Fahrrad-Frage nicht einig waren. So wie ich es verstanden hatte, gelten diese eigentlich als eigenständige “Fahrzeuge”… naja, nach viel Gerenne, Diskutiererei und so weiter hat sich die Frage letztlich doch geklärt.

Ich will trotzdem mobil bleiben!

Nebenbei hatte ich auch noch die Sache mit dem Mietwagen organisiert. Immer bei der gleichen Organisation zu buchen, zahlt sich aus. Da man mich bereits kannte, bekam ich kurzfristig ein Auto, das mir auch noch zum Hafen gebracht wurde. Das nenne ich mal Service. Hat natürlich auch was gekostet, aber die ganze WoMo-Sache war ja schon nicht ganz billig…

Ich war nach dem Tag wirklich matsch. Zumal ich super früh aufgestanden war, um noch meinen Kuhlschrank abzutauen, mein nötiges Hab&Gut bei einer Arbeitskollegin, bei der ich die letzten Tage bleiben würde, abzustellen, die Toilette zu leeren etc. Was für ein Tag. Aber dank Mietwagen immerhin noch mobil, das ist wirklich viel wert.

 

*Warum man mir beim Zoll nichts über dieses letztlich durchgeführte Vorgehen sagte? Ich weiß es nicht. Vielleicht wussten sie es auch nicht? Nach einiger Türkei-Erfahrung mittlerweile muss ich sagen, dass man von verschiedenen Beamten oft verschiedene (und nicht richtige) Aussagen bekommt (Link: Erster Absatz)… daher ist es immer gut, bei Unstimmigkeiten mal das Deutsche Konsulat zu bemühen. Oft ist man nicht der oder die erste, dem soetwas passiert und sie geben wirklich gute Hilfestellungen!

Ein letzter Blick…

So geht es weiter: Bekomme ich mein Wohnmobil zurück?

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1 Antwort

  1. 18. März 2019

    […] Peitsche und immer hinterher, dass auch gearbeitet wurde… tsss…. Also ich dachte ja, dass der eine Tag im Zoll vor einigen Wochen schon viel Arbeit für diesen nun vorweggenommen hatte, aber falsch gedacht. Zwischenzeitlich […]